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Statistik: Truppenstärke zu Beginn des Ersten Weltkriegs

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs war allen bewusst, dass es nun zu einem der größten Kriege kommen würde, den der Kontinent je miterleben musste. Heere mit mehreren Millionen Menschen standen sich kampfbereit gegenüber. In diesem Artikel soll ein kurzer Überblick über die Größe der Heere gegeben werden.

Deutschland und Russland stellten die größten Heere zu Beginn des Kriegs. Gefolgt von Frankreich und Österreich-Ungarn. Als man in Russland die Teilmobilmachung einleitete, war Deutschland politisch dazu gezwungen den Schliefen-Plan anlaufen zu lassen. Dieser richtete sich in seiner ersten Phase gegen Frankreich, worauf man dort die Mobilmachung anordnete.

Wenn man das Zahlenverhältnis zwischen den beiden Bündnisblöcken betrachtet, wird auch klar, warum ein reibungsloser Ablauf des Schliefen-Plans für Deutschland so wichtig war.

Die Mittelmächte waren zahlenmäßig unterlegen. Da Russland jedoch viel Zeit benötigte, um die vollständigen Truppen an der Front konzentrieren zu können, wollte die Deutsche Heeresleitung einen schnellen Angriff gegen Frankreich führen, um nach einem Sieg im Westen die Truppen im Osten konzentrieren zu können. Jedoch blieben die erwarteten Erfolge an der Westfront aus und ein zäher Krieg begann.

1914-Vergleiche – Es reicht!

Wie immer, wenn ich wichtige historische Ereignisse jähren, werden Vergleiche und Prognosen aufgestellt. Heutige Entwicklungen werden in den Kontext vergangener Ereignisse hineinprojiziert, um eine Ahnung von zukünftigen Ereignissen bekommen zu können. Es ist ein alter Menschheitstraum einen Blick in die Zukunft werfen zu können.

Das ist durchaus legitim und natürlich auch der eigentliche Zweck der Geschichtswissenschaften. Diese Vergleiche sind dann hoffentlich das Ergebnis intelligenter Überlegungen und basieren auf einem umfangreichen Wissen und harter Arbeit. Doch bei populären Großereignissen denkt jeder Halbwissende, er könne nach der Lektüre eines Standardwerks und kurzen Überlegungen in der Badewanne, bei dieser Debatte mitwirken. Das ist mitunter verstörend.

Allzu plump werden Prozesse in der Zeit hin und her geschoben. Fakten werden ohne kritische Analyse und Prüfung gerade wie es passt in die Überlegungen eingebaut. Das Jahr 2014 ist erst drei Tage alt, dennoch habe ich jetzt schon genug von diesen unprofessionellen 1914-Vergleichen in der Presse. In den nächsten Jahren werden sehr viele wichtige Daten der Zeitgeschichte Jubiläum haben. Wir werden dem wohl so schnell nicht entkommen.

Die Schlafwandler

Man hat es schon oft gelesen. Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Hier begannen Entwicklungen die das gesamte Jahrhundert tief gezeichnet haben. Soweit so gut. Aber auch der Erste Weltkrieg kam nicht aus dem Nichts und war nicht nur das Ergebnis eines gesteigerten Militarismus und verantwortungsloser Staatsoberhäupter. Er war die Folge vieler politischer Verwicklungen, verschiedener Akteure, einen Mangel an Informationen und sehr komplexen Prozessen.

Am Anfang stand das diplomatische Chaos auf dem Balkan. In dieser Region kam es durch das immer schwächer werdende Osmanische Reich zu Verschiebungen im Machtgefüge und damit einhergehend erwachten bei einigen Akteuren neue Interessen. Neben den Großmächten Russland und Österreich-Ungarn versuchten auch andere Staaten ihre Position zu konsolidieren bzw. ihren Einfluss zu erweitern. Vor allem Serbien und Österreich-Ungarn gerieten diplomatisch häufig aneinander. Der Vielvölkerstaat der Habsburger versuchte seine Hegemonie auszubauen und in Serbien träumten viele von einem panslawischen Staatengebilde. Diese Gegensätze führten letztendlich zu einer Situation in der die anderen Großmächte aktiviert wurden.

Russland stand an der Seite Serbiens und gab Garantien ab, dem Land militärisch beizustehen, sollte es zu einer Eskalation mit Österreich-Ungarn kommen. Diese Garantien waren nie in Stein gemeißelt, aber sie waren zum Zeitpunkt der Eskalation ein entscheidender Faktor. Das Deutsche Kaiserreich war zu diesem Zeitpunkt Partner Österreichs und sonst politisch zum großen Teil isoliert. Es gab zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs zwar Tendenzen, dass sich diese Isolation zunehmend auflösen würde, aber soweit war die Zeit noch nicht. Die Teilmobilmachung Russlands gegen Österreich führte zu einer Kettenreaktion an deren Ende sich die europäischen Heere in Waffen gegenüberstanden. Frankreich wusste um die Pläne der Deutschen und traf ebenfalls Kriegsvorbereitungen. Spätestens als die Deutschen aus Sorge um die Mobilmachung in Russland die ersten Aktionen des Schlieffen-Plans auslösten, war ein bewaffneter Konflikt nur noch sehr schwer vermeidbar.

Die Frage der Schuld an der Urkatastrophe kann nicht eindeutig beantwortet werden, weil der Krieg keine Entscheidung eines einzelnen oder einer Gruppe war. Die gesamte europäische politische Elite war hierin verwickelt und handelte größtenteils ohne Absicht diesen gewaltigen Konflikt auszulösen. Der Erste Weltkrieg war den Umständen geschuldet.

Im Buch “Die Schlafwandler” von Christopher Clark wurden diese verworrenen Zusammenhänge herausgearbeitet. Historisch und literarisch ein sehr kurzweiliges und interessantes Buch. Der Blick auf das 20. Jahrhundert wird durch dieses Buch ein gutes Stück klarer.