Die Jungsteinzeit – Neolithikum

Die Jungsteinzeit beginnt mit der allmählichen Neolithisierung der menschlichen Kulturen. Da dieser Prozess nicht weltweit zur gleichen Zeit beginnt, hat auch die Jungsteinzeit nicht überall denselben Anfang. Die ersten Haustiere und Anbaupflanzen treten schon vor ungefähr 50.000 Jahren nördlich von Mesopotamien auf. Diese Errungenschaft war zunächst geographisch begrenzt, dennoch sollte sie später die ganze Welt erobern. Wildgetreide wurde schon sehr früh gesammelt und dieses war 10.000 Jahren vor Christus sehr verbreitet. Dazu lebten die Menschen in relativ großen Siedlungen, die aus einzelnen Rundhütten bestanden. Auch Gräberfelder wurden aus dieser Zeit gefunden, was als ein Zeichen für eine generationenlange Sesshaftigkeit gewertet werden kann. In ihrem neuen Umfeld begannen die Menschen Wildgetreide auszusäen und es zu pflegen – kultivieren. In sehr kurzer Zeit entstanden die ersten Getreidezüchtungen, zu denen frühe Einkorn, Emmer, Gerste, Erbsen, Linsen und Flachs gehörten.

Um 9.000 Jahren vor Christus entstanden dann neue Siedlungen, die sehr groß waren und mit einer Mauer und Gräben gesichert wurden. Ein Beispiel hierfür ist Jericho, das schon zu jener Zeit bestand und um die 600 Menschen beheimatete. Zwischen diesen Zentren begann sich eine beeindruckende Handelstätigkeit auszubilden, die nicht nur Waren, sondern auch Wissen schnell über große Strecken verbreitete. Es ging nicht lange, da waren alle wichtigen kulturellen und technischen Erkenntnisse im ganzen fruchtbaren Halbmond verbreitet. Vor gut 6.000 Jahren vor Christus wurden die ersten Gefäße aus Keramik hergestellt, die die alten wasserdichten Steinkrüge ablösten. An den Fundstellen werden auch sehr viele Tonfiguren gefunden und die ersten Gebäude aus Lehmziegel. Auffallend ist auch die große Anzahl an Schafsknochen, die auf eine rege Züchtertätigkeit und Viehwirtschaft hinweißen.

Es begann nun auch das Kupferzeitalter, welches sich sehr schnell über ganz Mesopotamien ausbreitete. Auf dem Balkan und der iberischen Halbinsel entstanden etwas später unabhängige Zentren der Kupferverarbeitung. Mit dem Kupfer hatten die Menschen ein Material zur Verfügung, das sich sehr gut verarbeiten ließ und Klingen von bisher unerreichter Schärfe hervorbringen konnte.

Im Tiefland von Mesopotamien (Sumer) kommt es zu einer weiteren imponierenden technischen Entwicklung, der künstlich bewässerte Feldbau. Durch diesen effizienten Pflanzenanbau wurden die Frauen entlastet und konnten sich nun mehr ihrem Nachwuchs widmen, wodurch eine wichtige Grundlage für das spätere Bevölkerungswachstum gelegt wurde. Um 3000 Jahre vor Christus begannen die Mesopotamier aus Zinn, Arsen und Kupfer Bronze zu gießen. Nun war es möglich sehr scharfe Klingen herzustellen, damit begann die Bronzezeit, das eherne Zeitalter. Dieses neue Verfahren breitete sich in alle anderen Regionen Eurasiens und Afrikas aus.

In Griechenland und Ägypten finden sich sehr frühe Spuren für die Einflüsse aus dem Orient. Über diese Stationen gelangte dieses Wissen über den Seeweg in die anderen Regionen des Mittelmeers. Es finden sich zudem Beweiße für den Anbau von Getreide und die Schafzucht in Italien und Südfrankreich und ebenso erfuhr die Keramik den gleichen Erfolg. Als Haustiere dienten zunehmend auch andere Arten, so wurden nicht nur Schafe gehalten, sondern Schweine, Rinder und Ziegen. So wie Griechenland die Entwicklung in Europa einleitete, so setzte die Entwicklung in Afrika mit Ägypten ein. Von hier aus verbreiteten sich orientalischen Leistungen bis nach Nord-Westafrika.

Auch im Osten kamen die Menschen mit diesen Technologien in Berührung und entwickelten diese weiter. In Pakistan entstand die erste Drehscheibenkeramik. Indien übernahm die Rinder und die Keramik, pflanzten sie jedoch zusätzlich Hirse an.

China begann seine neolithische Entwicklung ganz unabhängig und auch hier verbreitete sich Hirse, Schweine, Hunde und die Keramik sehr schnell. Andere Produkte wie Weizen und Gerste wurden aus dem Westen über Handelswege importiert. Eine weitere Getreidesorte begann im alten China seinen Siegszug – der Reis.

In Mitteleuropa herrschte weiterhin eine egalitäre Gesellschaft vor, die mit ihrer Pfahlbautenkultur durchaus erste Neolithisierungsprozesse durchmachte. Eine Keramikkultur, sowie Kupferwirtschaft und Feldbau waren hier verbreitet. Im nördlichen Europa setzte die Jungsteinzeit erst später ein.

Der amerikanische Kontinent blieb von dieser Entwicklung nicht ausgeschlossen. Hier begannen die Menschen vor rund 7.000 Jahren Kürbisse und Mais zu kultivieren, später dann noch Bohnen und Kartoffeln. Das Meerschweinchen entwickelte sich zunehmend zum wichtigsten Hausnutztier der Ureinwohner Süd- und Mittelamerikas.

Besonders beeindruckend an dieser Zeit ist die beginnende soziale Differenzierung. An Gebäuden und Gräbern lassen sich immer deutlicher soziale Unterschiede erkennen, die auf die veränderten Gesellschaftsbedingungen zurückzuführen sind. Die damalige Gesellschaft bildete keine Einheit mehr. Es gab noch Jäger und Sammler, zunehmend Handwerker, Händler und Landwirte. Aus dieser Entwicklung heraus bildeten sich die ersten Städte, die als handwerkliche Zentren fungierten und das gewachsene Koordinationsbedürfnis befriedigten. Eine der ersten dieser Erscheinungen war Eridu, eine Stadt, die den Ausgangspunkt der ersten Zivilisation darstellen sollte. Außerdem unterstützte der vermehrte Gebrauch von Kupfer diese Entwicklung. In diesen Zentren siedelten sich viele Handwerker an, die nicht nur die Metalle verarbeitete, sondern daneben die ganze Versorgung dieser Stadt mit Gütern gewährleistete (z.B. Töpfer, Schreiner, Bauleute). Die Waren, die über den Bedarf produziert wurden kamen dem Handel zugute. Dieser hatte es einfacher, da er nun die Zentren untereinander verknüpfen konnte, dadurch wurde das zurücklegen großer Entfernungen lukrativer.

Dieses ganze System musste natürlich verwaltet und organisiert werden. Es bildete sich langsam eine Schicht von Beamten heraus, die diese Aufgaben übernahmen. Die Handelsrouten mussten gegen schlechte äußere Einflüsse, wie Wegelagerei, geschützt werden. Diesen wichtigen Auftrag übernahmen die ersten Soldaten, die einem Kommandant unterstanden. Dieses hierarchische Gefüge hatte nun enorme Macht in sich konzentriert, da es über ein gewisses Gewaltmonopol verfügte. Es wird angenommen, dass sich aus diesen Kommandanten die ersten Stadtkönige oder Fürsten entwickelten. Diese konnten jedoch nicht uneingeschränkt herrschen, da auf der anderen Seite die Priesterschaft auch einen nicht unerheblichen Einfluss ausüben konnte.

Anhand dieses Beispiels sieht man wie komplex die menschliche Gesellschaft geworden ist und wie sie sich sozial zu differenzieren begann. Einige wohnten in Palästen, andere in Hütten (landlose Bauern, Sklaven). Wir sind in einer Zeit angekommen, in der mit Sargon 2.350 vor Christus die erste Dynastie der Sumerer beginnt. Die damit beginnende aufwändige Verwaltung und Organisation macht die Schrift als Werkzeug unentbehrlich. Ab nun ist die Steinzeit in Mesopotamien endgültig beendet.

Andere Gegenden der Erde waren in ihrer Entwicklung nicht so schnell. In Mitteleuropa waren die Kulturen noch nicht so weit. Sie betrieben zwar Landwirtschaft und Viehzucht, dennoch bewahrten sie sich viele altsteinzeitliche Traditionen. Die Menschen in Osteuropa begannen das Pferd als Fortbewegungsmittel zu entdecken und gründeten frühe Reiterkulturen.

Eine weitere eindrucksvolle Entfaltung vollzog sich in Ägypten. Nach der sozialen Differenzierung bildeten sich viele kleine Fürstentümer entlang des Nils. Meni (auch Menes), der erste Pharao, vereinigte Ober- und Unterägypten und gründete die erste ägyptische Dynastie. Damit waren die Ägypter das erste Staatsvolk der Erde und blieben über Jahrhunderte eine vorherrschende Macht der Weltgeschichte.

In China entwickelten sich viele lokale Fürstentümer und ab 2.000 vor Christus trat man hier in das Bronzezeitalter ein. In Südostasien kam es ebenfalls zu einer Neolithisierung, es wurden Zuckerrohr, Bananen und viele weitere Pflanzen kultiviert. Von hier aus wurden mit der Zeit auch die kleinen Inseln des Pazifiks besiedelt. Auf dem australischen Kontinent selbst wurden noch sehr lange die altsteinzeitlichen Kulturen fortgeführt. Diese wichtigen Entwicklungen blieben natürlich nicht nur auf diese Erdteile beschränkt, der amerikanische Kontinent machte einen ähnlichen Prozess durch. In Mittel- und Südamerika entstanden große Städte, die Kupfer, Bronze, Gold und Silber verarbeiteten. 2.000 Jahre vor Christus entstand die Kultur der Mayas. Im nördlichen Teil dieses Kontinents lebten sehr lange Jäger- und Sammlerkulturen, die sich aber zu immer größeren Siedlungen zusammenschlossen.

Allgemein kann man sagen, dass die Steinzeit auch heute noch nicht abgeschlossen ist. Viele Gruppen von Menschen leben heute noch nach den uralten Traditionen, die unsere gemeinsamen Vorfahren vor langer Zeit begründeten. Lassen wir sie eine eigene Entwicklung vollziehen und bereichern uns kulturell an ihren zukünftigen Errungenschaften.