Altsteinzeit – Paläolithikum

Die Steinzeit begann vor circa 2,5 Millionen Jahren in Afrika, als die Vormenschen (Australopithecinen) oder Frühmenschen (Homo) anfingen Steinwerkzeuge planmäßig herzustellen. Geröllsteine erhielten durch Abschlagen scharfe Kanten, die vor allem bei der Nahrungsbeschaffung Vorteile brachten. Da der Mensch wenige Möglichkeiten hatte die dicke Haut von großen Tieren zu durchdringen, stellten diese Errungenschaften eine wahre Innovation dar. An vielen Knochenfunden lassen sich Schnittspuren feststellen, die einst von Aassammlern stammten. Es ist anzunehmen, dass auch Knochen bearbeitet wurden, um sie zum Beispiel zum Graben einzusetzen. Das Abschlagen ist die älteste Methode Steine zu bearbeiten. Auch Holz war vermutlich eines der prähistorischen Werkstoffe, jedoch sind diese Geräte der Verwesung zum Opfer gefallen. Dieses Wissen um Werkzeuge herzustellen, wurde auch an andere Individuen und an spätere Generationen weiter gegeben, was ein gewisses Niveau der Kommunikation vermuten lässt.

Über viele tausend Menschenalter haben sich so diese Techniken erhalten und dabei auch den Menschen verändert. Die scharfen Werkzeuge machten einen massiven Kauapparat zunehmend überflüssig, bis sich jener stark zurückbildete. Die ältesten Funde stammen aus Afrika und sind 2,5 Millionen Jahre alt. Sie werden nach ihrem Fundort als Oldowan-Kultur bezeichnet. Diese Werkzeuge haben mit den Hominiden Afrika verlassen und sich auf der Welt verbreitet. In Georgien wurden 1,5 Millionen Jahre alte Werkzeuge dieser Art gefunden. Für sehr lange Zeit änderten sich die Hilfsmittel nicht, bis vor 600.000 Jahren eine neue Entwicklungsstufe erreicht wurde. Der Faustkeil begann seinen Siegeszug. Heute erscheint uns dieses Steingebilde recht primitiv, dennoch war es eine große Neuerung. Der Faustkeil zeugt von einer großen Vorstellungskraft und erfordert planmäßiges Handeln. Die neue fortschrittliche Kultur wird als Acheuléen bezeichnet. Mit dem Faustkeil wurden nun auch andere Werkstoffe bearbeitet und es entstanden Stoßlanzen und Speere, die eine weitere große Verbesserung darstellten. Funde bis ins nördliche Eurasien belegen den weltweiten Erfolg dieser Kultur. Als die ersten Menschen diese subarktischen Regionen besiedelten waren sie auf weitere Techniken angewiesen, die sie vor der enormen Kälte der Eiszeit schützten. Man nimmt an, dass Techniken zur Herstellung von warmer Kleidung und witterungsfesten Behausungen ein Leben in diesen Gegenden möglich machten. Auch das Feuer spielte für diese Menschen wohl eine entscheidende Rolle. Eines der besten Beispiele in dieser Richtung ist wohl der Neandertaler, der sich hervorragend an dieses Leben anpasste.

Das Acheuléen verbreitete sich vor 130.000 Jahren bis nach Westasien und Indien, sowie in Europa. Ostasien schlug hier einen Sonderweg ein, denn hier wurden keine Faustkeile gefunden, doch gibt es ähnliche Werkzeuge (Fenhoian-Kultur).

Eine sehr lange Zeit blieb der Faustkeil gleich, irgendwann kam es hier zu einer wichtigen Neugestaltung. Er wurde zunehmend asymmetrisch und es entstand eine Urform des Messers. Das bildete den Auftakt der mittleren Altsteinzeit. Der Neandertaler ist wohl der populärste und einer der erfolgreichsten Vertreter dieser Zeit. Es entstand eine Technik, bei der große Mengen scharfer Klingen hergestellt werden konnten – die Levalloistechnik. Die daraus entstandene Kultur wird als Moustérien bezeichnet. Der Neandertaler ist vermutlich mit dem modernen Menschen der besterforschte kulturbildende Hominid. Er siedelte vor allem in Eurasien 200.000 – 60.000 Jahren vor heute und lebte auch in sehr kalten Regionen. In einigen Siedlungen wurden sogar feste Feuerstellen gefunden. Zu den bevorzugten Beutetieren gehörten unter anderem das Rentier, das Mammut, das Wollnashorn, das Wildpferd, der Elch und der Hirsch. Die wichtigsten biologischen und kulturellen Eigenschaften des Neandertalers werden auch im Kapitel Stammesgeschichte beschrieben. Neben dem Neandertaler lebte auch der moderne Mensch in jener Zeit. Besonders auffällig sind die vielen verschiedenen Steinwerkzeuge. Es gibt eine große Anzahl an verschiedenen blattförmigen Geräten und Messern. In Rumänien wurden Rundhütten gefunden, die aus Mammutknochen gebaut wurden. Diese Menschen zeichneten sich vor allem durch ihren Lebensstil aus, den man heute als Jäger und Sammler bezeichnet. Es herrschte in den kleinen Menschengruppen Arbeitsteilung. Ein Teil ging auf die Jagd und sorgten so für fleischliche Nahrung, andere sammelten Früchte, Beeren, Wurzeln und Ähnliches. Nach der Meinung vieler Experten wurde in dieser Zeit auch schon Wildgetreide gesammelt. Dieser mittlere Teil des Paläolithikum ist auch die Zeit in der sich der Mensch weltweit verbreitet hat. Über den Nahen Osten wurde Asien und Europa bevölkert. Die ersten Menschen erreichten vermutlich den australischen Kontinent mit Flößen, die sie aus Baumstämmen gefertigt hatten. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die ersten Menschen in dieser Zeit den amerikanischen Kontinent besiedelten.

Das jüngere Paläolithikum beginnt mit der europäischen Aurignacien-Kultur vor etwa 40.000 Jahren. Auf der ganzen Erde gibt es aber auch unzählige eigenständige Entwicklungen, die vom modernen Menschen eingeleitet wurden. Das Aurignacien zeichnet sich durch eine große Anzahl an sehr feinen Klingen aus, die durch eine neue Schlagtechnik hergestellt werden konnten. Innerhalb von Europa erstreckt sich diese Kultur von Südengland bis nach Sizilien und von Portugal bis an den Don. Auch wurden sehr fein gearbeitete Spitzen aus Knochen und Elfenbein gefunden, die wohl für Waffen verwendet wurden. Beim Homo sapiens sapiens tauchen einige besondere Entwicklungen auf. So kann man in manchen Felsen aus dieser Zeit Gravuren von Tierbildern erkennen. Diese künstlerischen Schöpfungen wurden durch viele kleine Skulpturen und Reliefs ergänzt. In der Schwäbischen Alb fand man Skulpturen aus Elfenbein, die eine Tier-Mensch-Mischform und Gottheiten darstellen sollten. Damals dürften auch die ersten astronomischen Aufzeichnungen gemacht worden sein. Man nimmt heute an, dass auch erste Skulpturen aus Ton gefertigt wurden, doch konnten diese über die Jahrtausende nicht konserviert werden. Diese künstlerische Explosion brachte auch noch andere kreative Erzeugnisse hervor. Malereien sind bis heute erhalten, die man in Südfrankreich vielerorts bewundern kann, auch Schmuck aus Zähnen und anderen Materialien sind Zeugen dieser schöpferischen Phase. Auffallend sind besonders die vielen nackten, üppigen Frauenskulpturen, die in ganz Europa gefunden wurden. Sie sind ein Symbol für Weiblichkeit, Mütterlichkeit und Fruchtbarkeit. Man könnte annehmen, dass Männer diese Statuen gefertigt haben, um ihrer natürlichen Bewunderung für die Fähigkeiten der Frauen Ausdruck zu verleihen. Aber es waren wahrscheinlich Frauen selbst, die diese Plastiken in emotionaler Absicht fertigten. Eine weitere wichtige Entwicklung war die Verbreitung von Höhlenheiligtümern und größeren Gruppensiedlungen.

In der Gravettien-Kultur vor 30.000 Jahren tauchen die ersten Tierbildnisse aus Ton auf, die in Öfen gebrannt wurden – die ersten Keramiken. Diese Kultur zeichnete sich durch viele feine Klingen aus, die die Blattspitzen allmählich verdrängten. Aus ihnen wurden Geschossspitzen, Hacken und Grabschaufeln hergestellt. Sehr gut gearbeitete Kleidung, Elfenbeinperlen und die ersten Speerschleudern tauchten hier auf. Eindrucksvoll sind die großen Höhlenmalereien, die in dieser Zeit entstanden. Auf das Gravettien folgte vor 15.000 Jahren das Magdalénien, das den jüngsten Abschnitt der Altsteinzeit bildete. Jetzt wurde das Klima wieder wärmer und viele neue Techniken verbreiteten sich. Ganz deutlich lassen sich nun viele regionale Unterschiede erkennen. Es entstehen Harpunen aus Geweihen und Nähnadeln. Die Kunst wird immer realistischer und sie wird zum Symbolträger der Kulturen. Die berühmten Höhlenmalereien aus Lascaux und Altamira sind hier entstanden. Es wird vermutet, dass es auch schon erste Bogenpfeile gab, die die Jagd revolutionierten. Die Gewässer wurden mit dem besseren Klima immer mehr als neue Nahrungsquelle erschlossen und bildeten eine weitere wichtige Grundlage. Auch in anderen Teilen der Erde haben sich bemerkenswerte Entwicklungen vollzogen.

In Afrika begann die Phase des Late Stone Age vor circa 30.000 Jahren mit der Aterian-Kultur, die vor allem durch ihre Speerspitzenindustrie auffällt. 25.000 Jahre vor Christus wurde das Aterian ersetzt durch die Iberomaurusian-Kultur. Sie zeichnet sich ganz besonders wegen ihrer hochentwickelten Klingentechnik aus. Aus künstlerischer Sicht gibt es einige Felsgravuren, die Tiere darstellen. Auch farbige Felsenmalereien sind bekannt.

Vor rund 40.000 Jahren gab es in Südostasien eine Geröll- und Abschlagkultur, die man als Hoabinhian bezeichnet. Es sind weniger Steingeräte vorhanden, was sich auf die Tatsache zurückführen lässt, dass eher Harthölzer und Bambus verwendet wurden. Auf Grund ihrer Beschaffenheit sind diese jedoch schlecht erhalten. Neben der Jagd waren auch das Sammeln und Fischen wichtige Quellen der Nahrungsbeschaffung. Diese Kulturelemente drangen vor 40.000 – 35.000 Jahren bis nach Australien vor und konsolidierten sich dort.

In Amerika kam es um 12.000 vor Christus zu den ersten paläoindianischen Kulturen, wohingegen davor eher Großwildjägerkulturen das Bild beherrschten. Die drei Bekanntesten waren die Clovis, die Folsoms in Nordamerika und die Fischschwanzspitzenkultur in Mittel- und Südamerika. Es gibt auch umstrittene Datierungen von menschlichen Spuren, so soll es schon vor 30.000 Jahren in Mexiko und vor 50.000 Jahren in Brasilien Menschen gegeben haben.

Durch das zunehmend bessere Klima vor rund 12.000 – 10.000 Jahren kam es zur Ausbreitung von Wäldern. Damit gingen die Steppenkulturen unter und eine neue Zeit begann. Man hat in Israel 12.000 Jahre alte Erntemesser, Mörser und Stößel gefunden, die vermutlich für das verarbeiten von Wildgetreide verwendet wurden. Es begannen sich die Techniken des Mesolithikums, der mittleren Steinzeit zu entwickeln.