Von den Primaten zum Vormenschen

Der Weg des Menschen beginnt bei den Primaten. Diese biologische Ordnung entstand vor circa 80 – 90 Millionen Jahren in der Kreide. Erste fossile Beweise tauchen im Eozän vor ungefähr 55 Millionen Jahren auf. Die Primaten brachten einige Neuerungen hervor, die ihnen für die Zukunft einige Vorteile verschaffen sollten. Ihre Augen sind beide nach vorne ausgerichtet, wodurch sie stereokopisch sehen konnten, das heißt, dass in ihrem Gehirn aus den beiden eingegangenen Bildern ein Bild entsteht. Dies hatte Vorteile beim Einschätzen von Entfernungen, was in ihrem Lebensraum, den Bäumen, von enormer Wichtigkeit war. Außerdem besaßen sie lange Schwänze, um das Gleichgewicht beim Klettern zu halten. Desweiteren zeichneten sie sich durch einen schwächeren Geruchssinn aus, den sie bei ihrer Nahrungssuche nicht mehr so stark benötigten. Etwas ganz Besonderes war ihr, im Vergleich zu anderen Lebewesen, größeres Gehirn und ihr soziales Verhalten. Diese Tiere waren sehr wendig und konnten für die Futtersuche von Baum zu Baum springen. Man kann sie mit den heutigen Lemuren vergleichen, die zu der Primatenunterordnung der Feuchtnasenaffen zählen. Eine andere Unterordnung sind die Trockennasenaffen zu der auch die Anthropoidea, die eigentlichen Affen, gehören. Als vor einigen Millionen Jahren die Kontinente auseinander drifteten, teilte sich diese Unterordnung in die Neuweltaffen und die Altweltaffen. Letztere spielen für die Entwicklung des Menschen eine entscheidende Rolle. Die Neuweltaffen oder Breitnasenaffen sind die einzigen Primaten neben dem Menschen, die auf dem amerikanischen Kontinent leben. Die Altweltaffen besiedeln die zusammenhängenden Kontinente Afrika, Asien und Europa. Sie teilen sich in zwei Überfamilien. Das sind die geschwänzten Altweltaffen (z.B. die Paviane) und die menschenartigen Affen (Hominoidea), die keine Schwänze besitzen. Zu den Hominoidea gehören die Gibbons, die Menschenaffen und auch der Mensch. Im Laufe der Evolution verloren sie ihren Schwanz, da sie diesen nicht mehr beim Klettern brauchten. Sie hatten nämlich eine neue Technik entwickelt – das Hangeln. Sie hielten sich an Ästen fest und schwangen sich zu den Früchten, um sie zu erreichen. So konnten sie Nahrungsquellen erschließen, die sonst außerhalb ihrer Reichweite liegen würden. Diese Affen wurden durch ihre Lebensweise immer beweglicher. Ihre Handgelenke wurden kräftiger, der Unterarm konnte mehr als 180 Grad gedreht werden und die Ellenbogengelenke wurden streckbar. Man bezeichnet sie als Menschenaffen, da sie ein Bindeglied zwischen Tier und Mensch darstellen. Auch ihr Gebiss unterscheidet sich von dem der Anderen. Da sie festere Nahrung zu sich nehmen, haben sich ihre Backenzähne vergrößert. Am auffälligsten ist wohl die Länge der Arme, die sich beim Hangeln als durchaus nützlich erwiesen hat. Auch heute leben noch viele Menschenaffen in freier Natur. Der Orang-Utan in Afrika oder die Schimpansen und Gorillas in Asien.

Im Laufe der Evolution begannen diese Affen sich immer weiter zu entwickeln. Durch das Sitzen hatten sie zunehmend die Hände für andere Aufgaben frei und hatten damit Vorteile gegenüber anderen Baumbewohnern. Man nimmt auch an, dass der Gebrauch der Hände enorme Anreize zur Ausbildung der Intelligenz lieferte.

Durch einen Klimawandel begann die Umwelt sich zu verändern. Es wurde kühler, trockener und die Jahreszeiten zeigten sich immer deutlicher. Die Wälder gingen zurück und es entstand eine Graslandschaft – die Savanne. Nun waren die Baumbewohner nicht mehr so optimal an diese Umwelt angepasst und mussten sich zum Überleben weiterentwickeln.

Der erste der sich auf diesen Lebensraum einstellte war der Ramapithecus. Er war ungefähr 1,20 Meter groß und besaß ein anderes Gebiss als seine Vorfahren. Seine Backenzähne waren noch größer und kräftiger als jene der Waldaffen. Vermutlich dienten sie zur Zerkleinerung sehr fester Nahrung, wie zum Beispiel Wurzeln oder Samen. Seine Fossilien wurden von Spanien bis nach China gefunden und sind um die 8 – 14 Millionen Jahre alt. Die Ramapithecinen sowie ihre nahen Verwandten die Dryopithecinen entwickelten sich wahrscheinlich im nördlichen und südlichen Afrika und stellen einen ersten Anhaltspunkt auf dem Weg zum Menschen dar. Doch klafft zwischen ihnen und den nächsten bekannten Vertretern unserer Vorfahren eine enorme Lücke. So ist noch nicht bekannt, woher der Australopithecus letztendlich abstammte.