Die Gattung Homo

Das die ersten Angehörigen der Gattung Homo von den Australopithecinen abstammen gilt als gesichert. Doch man weiß nicht so genau wie dieser Übergang stattfand, weil die fossilen Überreste in dieser Phase lückenhaft sind.

Den Anfang in der Gattung Homo machte der Homo rudolfensis. Er zeichnete sich besonders durch sein großes Gehirn aus, das 750 cm³ Volumen besaß. Sein Lebensraum war das östliche Afrika vor 2,5 – 1,8 Millionen Jahren. Sein Gebiss erinnert noch stark an das seiner Vorgänger, doch sein Knochenbau war schon viel moderner. Was die Ernährung angeht dürfte er der Übergang vom reinen Pflanzenfresser hin zum Allesfresser gewesen sein. Möglicherweise hat er auch erste einfache Schneidewerkzeuge hergestellt.

Der Homo habilis (Geschickter Mensch) war eine der ersten Arten, die die neue Gattung vertrat. Sein Lebensraum war die Savanne in Ostafrika, die er vor ca. 2,1 – 1,6 Millionen Jahren durchstreifte. Im Vergleich zu uns heute war er klein, nur 1,25 Meter groß und wog um die 50 Kilogramm. Doch sein Gehirn war um 50 Prozent größer, als das von den Australopithecinen. Eine seiner besonderen Fähigkeiten war die gezielte Herstellung von Steinwerkzeugen, die er hauptsächlich zum Zerlegen von Tieren nutzte. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er diese Tiere nicht selbst erlegte, sondern auf Aas zurückgriff. Bevor er sich seinen Teil von der Beute holen durfte, waren meist alle anderen Raubtiere vor ihm an der Reihe. Fleisch war nicht die einzige Nahrung auf seinem Speiseplan, es war eher die Ausnahme, eine Ergänzung. Sein Gesicht hatte auch schon modernere Züge aufzuweißen. Eine steile Stirn und fast keine Überaugenwülste ließen ihn schon recht menschlich aussehen. Sein fortschrittliches Gebiss rundete alles ab. Man geht davon aus, dass die Begabung Werkzeuge herzustellen auch andere Auswirkungen auf den Homo habilis gehabt hat. So ist anzunehmen, dass er Vorstellungsvermögen hatte und planen konnte. Um dieses Wissen an seine Nachkommen weiter zu geben musste er auch über Kommunikationsmittel verfügt haben, die eine Weitergabe an andere Individuen und Generationen möglich gemacht hat – die Anfänge der Sprache? Dies setzt natürlich auch ein funktionierendes soziales – gesellschaftliches Gefüge voraus.

Von nun an begann der Mensch seine Umwelt zu formen und sie seinen Bedürfnissen anzupassen. Der Schlüssel zu diesen großen Leistungen war das Gehirn, doch es gab bei dieser Entwicklung ein Problem. Bei den übrigen Primaten verdoppelt sich das Gehirn nach der Geburt nur. Beim Menschen jedoch muss es sich vervierfachen. Um dies zu gewährleisten werden unsere Kinder in einem sehr frühen Stadium geboren. Einige Zeit später wäre der Kopf zu groß, um zwischen dem Becken hervorzukommen. Auf der anderen Seite sind deshalb unsere Kinder sehr lange an die Eltern gebunden. Damit eine Erziehung bis in ein reiferes Alter möglich ist, müssen beide Elternteile dem hilfsbedürftigen Kind zu Seite stehen. Dies erfordert ein sehr stabiles soziales Verhalten. Unterstützt wird die Paarbindung der Eltern auch durch die monatliche Menstruation, die die Frauen stets empfängnisbereit sein lässt, sowie den weiblichen Orgasmus, den sonst keine Tierarten kennen.

Natürlich wurde auch der Homo habilis eines Tages von einer fortschrittlicheren Art abgelöst – dem Homo erectus (aufgerichteter Mensch).

Lange glaubte man, dass es zwischen Homo habilis und Homo erectus eine Zwischenstufe gab, den Homo ergaster. Jedoch wird dieser heute dem Homo erectus zugeordnet. Er entwickelte sich vor 1,8 Millionen Jahren in Afrika und verbreitete sich im Laufe der Zeit in großem Ausmaß. Von der Statur her war er deutlich größer und schwerer (bis ca. 1,80 Meter groß) als sein Vorgänger. Sein Gehirn zeigte mit 950 cm³ zudem diesen Trend und war damit rund 150 cm³ größer. Die Schädelknochen waren zudem auffällig kräftiger und die Proportionen Gehirn- / Gesichtsschädel veränderten sich. Interessant ist die Entwicklung des Gehirnvolumens innerhalb der Art Homo erectus. Die späten Vertreter hatten Volumina von bis zu 1200 cm³ und reichten damit nahe an unser heutiges Volumen heran. Sein Aussehen glich jedoch in großen Teilen noch dem seiner Vorfahren. Große Überaugenwülste, flache Stirn und große Kiefergelenke waren sehr auffällig. Vielleicht ist das weiterentwickelte Gehirn der Auslöser für seine Fähigkeit komplexere Werkzeuge herzustellen. Faustkeile und Steinschaber waren Errungenschaften, mit denen er seine Umwelt bearbeiten konnte. Gerade der Faustkeil erwies sich als sehr effizient. Von seiner Form her erinnert er sehr an eine Birne, die nach obenhin spitz zuläuft. Dies hatte zum Vorteil, dass die Kraft besser genutzt werden konnte. Mit diesen Leistungen begründete der Homo erectus die (Acheuléen-Kultur). Einige umstrittene Hinweise deuten darauf hin, dass Homo erectus das Feuer für sich entdeckte. Da er sich auf der gesamten Welt ausbreitete und dabei ebenfalls kühle Landschaften besiedelte, kann man davon ausgehen, dass es ihm gelang Feuer nutzbar zu machen. Dieser Schritt war die erste qualitative Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse. Nicht nur Wärme, sondern auch für die Nahrungsaufnahme war das Feuer wichtig. Fleisch konnte nun gebraten werden, wodurch die Aufnahme deutlich einfacher wurde. In diesem Zuge änderte sich nun das Aussehen. Kräftige Kaumuskulaturen und große Zähne waren nun nicht mehr so wichtig, deshalb entwickelten sie sich zurück. So begannen kulturelle Einflüsse den Menschen zu verändern. In diesen Zeiten, in denen die Menschen stets in Sorge um ihre Sicherheit lebten, bot das Feuer Schutz vor Raubtieren und anderen Gefahren. In dieser Hinsicht ist besonders auffällig, dass die Frühmenschen anfingen Hütten aus Zweigen zu bauen, um sich vor der Umwelt zu schützen. Ein wichtiger Schritt hin zu den ersten Siedlungen, die in dieser Zeit entstanden. Vermutlich wurden nun die ersten Treibjagden veranstaltet, bei der große Tiere in die Enge getrieben wurden, um sie dann zu erlegen. Aber nicht die ganze Gruppe ging auf die Jagd, sondern es herrschte Arbeitsteilung bei der Nahrungssuche. Meist Männer versuchten den Speiseplan mit Fleisch zu ergänzen, von den Frauen, die Beeren und ähnliches sammelten kam der größere Teil der Grundversorgung. Der Homo erectus zog in kleineren Gruppen, von ungefähr 20 – 30 Individuen umher, was eine komplexe Kommunikation unerlässlich machte. Sprache in unserem heutigen Verständnis wird es nicht gegeben haben, dennoch verfügte man damals über gewisse Artikulationsmöglichkeiten, um Mitteilungen an andere Individuen und andere Generationen zu machen. So erfolgreich der Homo erectus war, verlor er eines Tages die Dominanz in der Gattung Homo an andere Arten, dich sich aus ihm entwickelten.

Der Homo floresiensis lebte von 100.000 – 12.000 v. Chr. auf der indonesischen Insel Flores. Auffällig an ihm waren seine geringe Körpergröße von nur einem Meter und sein Gehirnvolumen von 380 cm³. Man nimmt an, dass er mit dem heutigen Menschen einige Zeit im gleichen Lebensraum verbrachte. Auch Werkzeuge wurden von dieser Art hergestellt. Diese Funde aus dem Jahr 2003 werfen heute viele Fragen auf, doch es gilt als möglich, dass sie von Homo erectus abstammen.

Eine weitere Art, die für das Verständnis unserer Abstammung wichtig ist, ist der Homo heidelbergensis. Dieser entwickelte sich aus dem Homo antecessor, der vermutlich das Bindeglied zwischen ihm und Homo erectus ist. Homo antesessor lebte vor 800.000 Jahren im heutigen Spanien und ist somit einer der ältesten Europäer. Vor 600.000 Jahren tauchte Homo heidelbergensis auf und lebte in ganz Europa bis vor 200.000 Jahren. Sein Gehirnvolumen betrug rund 1200 cm³ und auch sein Äußeres war schon recht modern. Er hatte einen schlanken Körperbau und eine steile Stirn. Seine Zähne waren recht klein, doch sein Kiefer war noch sehr kräftig. Mit einer Körpergröße von rund 1,70 Metern war er in diesem Punkt verhältnismäßig modern. Die Lebensweise wird hauptsächlich durch seine Tätigkeit als Jäger und Sammler bestimmt. Er wird ebenfalls der Acheuléen-Kultur zugeordnet.