Die ersten Hominiden – Australopithecus

Wie sich die Australopithecinen entwickelten ist zum großen Teil noch ungeklärt. Einer ihrer Vorgänger war vermutlich Ardipithecus ramidus. Er lebte vor 4,4 Millionen Jahren in Ostafrika. Sein Gebiss hatte schon eine andere Form als jenes der Menschenaffen, dennoch gibt es auch deutliche Unterschiede zum Australopithecus. So stellt dieses Wesen eine wichtige Verbindung zwischen Menschenaffen und Hominiden dar, die jedoch nicht alles klären kann. Ihr Lebensraum lag am Rand der Regenwälder und umfasste die Savanne, sowie kleine Wälder zwischen den weiten Graslandschaften. Es war für diese Art lebensnotwendig sich auf Bäumen und am Boden gut bewegen zu können, deshalb gab es hier schon einige anatomische Anpassungen, von denen später auch der Australopithecus einige erben sollte. Die Schulterblätter waren zum Kopf hin geneigt, das Erbsenbein war groß, der Brustkorb trichterförmig, die Fingerknochen gebogen, die langen Zehenknochen ebenfalls gebogen und die Beine waren relativ kurz. Man nimmt an, dass auch der Ardipithecus aufrecht gehen konnte.

Besonders interessant ist die Frage, warum sich der aufrechte Gang entwickelte, da diese Art der Fortbewegung einige Nachteile besitzt. Von der Geschwindigkeit her ist die Fortbewegung auf zwei Beinen extrem schlecht, auf der anderen Seite sind wir sehr gute Ausdauerläufer. Desweiteren bekommt man in aufrechter Position sehr viel weniger Wärmestrahlung ab, als auf allen Vieren. Unser Körper hat sich bei unserer Wärmeregulation einiges einfallen lassen: im Vergleich zu anderen Säugetieren schwitzen wir sehr stark und die Wärmeisolation in Form eines Felles ging der Gattung Homo verloren. Auch sehr wichtig ist die Fähigkeit unsere freigewordenen Arme zum Tragen zu benutzen. Wir können Nahrung tragen, laufen und nebenbei kommunizieren.

Diese Vorteile unterstützten natürlich die Entwicklung des Autralopithecus, der von Süd- bis nach Nordostafrika lebte. Begonnen hat seine Geschichte vor rund 4 Millionen und endete circa vor 1 Million Jahre. Besonders an ihm war das Austrittsloch am unteren Schädel, welches bei den Affen noch am Hinterkopf zu finden ist. Das daraus entspringende Rückrad war nicht länger krumm, sondern bildete eine relativ gerade Linie. Das Becken und die Hüfte waren stabiler geworden und verformten sich so, dass die Beine mit dem Körper eine Gerade bilden konnten. Auch die Zehen veränderten sich und die Greiffähigkeit der Füße ging verloren. Alle diese Eigenschaften dienten der Optimierung des aufrechten Gangs, der zu einer beeindruckenden Spur in Laetoli (Tansania) führte. Eine Gruppe Vormenschen lief durch Vulkanasche und hinterließ eine Spur, die bis heute erhalten blieb. Ihre Gehirne hatten die Größe der heutigen Schimpansen (ca. 450 cm³), doch besaßen diese eine andere Struktur. Nachts stiegen die Australopithecinen vermutlich auf Bäume, um sich vor Angreifern zu schützen. Tagsüber verbrachten sie ihre Zeit in den Graslandschaften oder an den Seeufern in Afrika.

Die älteste Art dieser Gattung war der Australopithecus anamensis. Er bevölkerte Ostafrika vor ca. 4,2 – 3,9 Millionen Jahren. Er ist der späteren Art Australopithecus afarensis sehr ähnlich und unterscheidet sich hauptsächlich durch sein Gebiss von ihnen. Sein Schädel glich noch eher dem von frühen Menschenaffen, doch sein Knochenbau war schon moderner. Gerade seine Bein- und Oberarmknochen waren schon denen der Menschen sehr ähnlich. Man kann davon ausgehen, dass dieser frühe Australopithecus noch keine Werkzeuge benutzt hat, doch es ist anzunehmen, dass er schon ein differenziertes Sozialverhalten aufwies. Sein Nachfolger der Australopithecus afarensis lebte vor 3,7 – 2,9 Millionen Jahren im Osten von Afrika und wurde durch den Fund von Lucy weltberühmt. Sein Skelett war noch viel besser an den aufrechten Gang angepasst, als das seiner Vorgänger. Er war auch diejenige Art, die uns die oben genannten Fußspuren in Laetoli hinterlassen hat. Sie wurden bis zu 1,20 Metern groß und hatten ein Gewicht von 30 – 50 Kilogramm, was auf eine muskulöse Statur zurückzuführen ist. Bei ihnen zeigten sich auch noch einige Veranlagungen zum Klettern und die Beine waren im Vergleich zum heutigen Menschen relativ kurz. Auch geht man davon aus, dass der Australopithecus afarensis kommunizierte.

Aus den Australopithecus afarensis entwickelten sich vermutlich auch die robusten Australopithecinen (auch Paranthropus), die sich der langsam veränderten Umwelt anders anpassten. Der älteste unter den robusten Australopithecinen war der Australopithecus aethiopicus. Dieser lebte vor rund 2,7 – 1,9 Millionen Jahren im südlichen Afrika. Sein Gesicht war sehr breit und flach. Er besaß einen massiven Kiefer, jedoch fast keine Stirn. An seinem Schädel hatte er einen Kamm, an dem der kräftige Kaumuskel befestig war. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass diese Art einen sehr kräftigen Kauapparat gehabt haben muss. Dieser diente vermutlich zur Zerkleinerung von sehr fester Nahrung, wie zum Beispiel Nüsse und Wurzeln. Sein Gehirn war mit 410 cm³ recht klein.

Die Nachfahren des Australopithecus aethiopicus führten diese Entwicklung fort bis sie vor circa 1 Million Jahren ausstarben. Der Australopithecus boisei ist einer jener Arten, die vor 2,3 – 1,2 Millionen Jahren die Linie der robusten Australopithecinen weiterführten. Sein Schädel glich dem seines Vorgängers dem Australopithecus aethiopicus, doch im Vergleich zu ihm hatte er ein deutlich größeres Gehirnvolumen (530 cm³). Auch seine Backenzähne waren gut entwickelt und sehr groß. Man nimmt an, dass auch er von fester Nahrung lebte. Er konnte bis zu 1,55 Metern groß werden und hatte ein Gewicht von 40 – 80 Kilogramm. Dann gab es noch eine Art, die im Süden von Afrika vor 1,8 – 1 Million Jahren lebte, aber dennoch zu den robusten Australopithecinen gehörte. Dieser war den anderen beiden von der Schädelform sehr ähnlich und sie konnten bis zu 1,60 Meter groß werden. Vermutlich benutzte er Knochen um Wurzeln auszugraben, dennoch wurde er von der neuen Gattung Homo verdrängt und starb schließlich aus. Auch wenn die robusten Australopithecinen ausstarben entwickelten sich die anderen Australopithecinen weiter.

Der Australopithecus garhi (vor 2,5 Millionen Jahren) und der Australopithecus bahrelghazali (vor 3,5 Millionen Jahren) waren zwei dieser grazilen Arten, die aus dem Australopithecus afarensis entstanden. Sie wurden erst vor kurzer Zeit entdeckt und die Wissenschaftler streiten heute noch über ihre Stellung in der menschlichen Stammesgeschichte.

Eine besonders erfolgreiche Art war der Australopithecus africanus. Er ist ein Nachfahre des Australopithecus afarensis und lebte im südlichen Afrika vor 3,0 – 2,3 Millionen Jahren. Sein Aussehen war dem seiner Vorgänger recht ähnlich, doch seine Mundregion sprang deutlich hervor und seine Stirn war sehr kurz. Er hatte Überaugenwülste, einen kräftigen Kiefer und konnte 1,30 Meter groß werden. Aufgrund seiner muskulösen Statur hatte er ein Gewicht von 45 – 50 Kilogramm. Seine Hauptnahrung waren Früchte, Nüsse, Samen und Wurzeln. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Vormensch schon Fleisch zu sich nahm. Doch er ging nicht auf die Jagd, sondern begnügte sich mit Aas. Ziemlich sicher verwendete er Werkzeuge, die er aber nicht explizit für ihren Gebrauch herstellte, sondern die er einfach so zur Hand hatte (z.B. Knochen). Der Australopithecus africanus gilt als erster richtiger Hominide.