Die Erdneuzeit – Känozoikum

Das Känozoikum ist die jüngste Ära der Erdgeschichte. Es ist die Zeit in der sich der Mensch entwickelte.  Die Erdneuzeit wird in die Epochen Paläogen und Neogen gegliedert.

Periode: Paläogen
Nach dieser kosmischen Katastrophe, die die Zeit der Dinosaurier für immer beendete, mussten sich die Lebewesen, die überlebt hatten, erholen. Demgemäß blieben nur noch jene Tiergruppen übrig, deren Nachfahren auch noch heute Leben. Das Paläogen wird weiter untergliedert in die Epochen Paläozän, Eozän und Oligozän.

Im Meer konnten sich die Organismen sehr schnell neu beleben und hatten schon relativ früh wieder eine große Artenvielfalt erreicht. Die Foraminiferen, Seeigel, Bryozoen (Moostierchen), Krabben, Schnecken, Muscheln und Teleostei bildeten ein erstes Ökosystem. Die großen Riffe haben sehr unter dem Aussterben gelitten und deshalb gab es während des Paläozäns und Eozäns keine größeren Riffe. Erst im Oligozän konnten diese Ökosysteme wieder eine gewisse Größe erreichen. Eine besondere Erscheinung während dieser frühen Phase des Känozoikums ist die der Wale, die von nun an das Meer durchstreifen sollten. Zu ihnen gesellten sich Riesenhaie, die den Platz der großen Raubreptilien einnahmen.

An Land begannen die Blütenpflanzen ihre Entwicklung fortzusetzen und kamen schon bald wieder auf einen nennenswerten Reichtum an Formen. Auch auf dem Festland kam es zu einer sehr wichtigen Veränderung. Die Gräser nahmen ihre bedeutende ökologische Rolle ein, die sie auch noch heute besitzen. Um sich vor dem Abweiden zu schützen entwickelten die Gräser einen kontinuierlichen Wachstumsprozess, der dem entgegenwirkt und damit konnten sie sich, auch durch neue Fortpflanzungsstrategien, schneller verbreiten. Sie sollten der Erde ab nun ein neues Aussehen geben.

Zu Beginn lief die weitere Evolution der Säugetiere sehr zaghaft an und es kam erst während des Eozäns zu einer Ausbreitung dieser eher kleinen Tiere. Während dieser Phase entstanden vom Wal bis zur Fledermaus fast alle Ordnungen, die auch heute noch leben. Auch die Primaten, Huftiere, Rüsseltiere, Nagetiere (Rodentia) nahmen in dieser Epoche ihren Anfang. Vorfahren von unseren heutigen Hunden, Katzen und Wiesel waren die berüchtigsten Fleischfresser. Im Luftraum gab es noch sehr wenige Vögel, doch an Land verbreitete sich der fleischfressende Diatryma. Die Reptilien und Amphibien, die die Erde für viele Generationen beherrscht hatten blieben nun im Abseits und die Insekten brachten Formen hervor, die den heutigen sehr ähnlich waren.

Im Oligozän ging diese Entfaltung weiter und so entstanden weitere Nagetiere, große Elefanten und besonders erfolgreiche Verwandte der Nashörner: Paraceratherium, was das größte Landsäugetier aller Zeiten sein sollte. Die Säugetiere brachten ohnehin immer größere Formen hervor und so machten dann die großen Säbelzahnkatzen und riesige Hunde die Erde unsicher. Auch zeigten sich die ersten Affen und affenähnliche Primaten, zum Beispiel der Aegyptopithecus, der die Gestalt eines gewöhnlichen Affen, aber das Gebiss eines Menschenaffen besaß. Dies war der Beginn der großen Ausbreitung von Menschenaffen während des Neogens. An dieser Stelle fängt unsere eigene Geschichte an.

Während Eozän kam es zu einer deutlichen Abkühlung des Klimas und der vermehrten Bildung von großen Eisflächen an den Polen. Die Rocky Mountains und die Alpen in Europa begannen sich zu bilden.

Periode: Neogen
Das Neogen ist die letzte Periode und schließt direkt an unsere heutige Zeit an. In diesem Zeitalter veränderte sich die Erde zu dem wie wir sie heute kennen. Das Neogen besteht aus drei Epochen, die Miozän, Pliozän und Pleistozän genannt werden.

Weichtiere benötigen für eine Weiterentwicklung sehr viel Zeit, deshalb haben sie sich in den letzten Jahrtausenden nicht viel verändert, aber die Wirbeltiere konnten ihre Evolution zu neuen Höhen führen. Im Meer tauchten immer mehr Wale auf, die zu den bedeutendsten Entwicklungsschritten dieser Zeit gehörten. Pottwale, Bartenwale und Delphine sind die erfolgreichsten Protagonisten.

Auf dem Festland vollzog sich eine mindestens ebenso wichtige Entwicklung. Die Gräser und Kräuter breiteten sich extrem gut aus, bedingt durch eine Abkühlung des globalen Klimas. Diese Pflanzen bildeten die Grundlage für ein neues Ökosystem, dass Tiere wie Ratten, Mäuse, Schlangen, Frösche, und Singvögel bevorzugte und ihnen eine reiche Entwicklung zukommen ließ. Der Artenreichtum der Nashörner, Giraffen, Schweine und Elefanten nahm ab, dafür konnten die Hirsche, Rinder, Antilopen und andere Paarhufer eine Entfaltung verzeichnen. Auch unter den Räubern gab es Neues, die Hunde und Katzen nahmen ihre modernen Formen an, sowie die Bären und Hyänen.

Eine ganz besondere Entwicklung erlebten die Affen und ihre Verwandten. Bis in das Pliozän verbreiteten sich die Menschenaffen in Afrika und sogar in Eurasien. Mit der Zeit entwickelten sich aus den Menschenaffen die ersten Hominiden. Eine der ersten Vertreter waren die Astralopithecinen, die aus den Gattungen Australopithecus und Paranthropus bestanden. Gerade erstere lassen schon gewisse Ähnlichkeiten mit den modernen Menschen erkennen, doch gehörten sie noch zu den Vormenschen. Auch wenn sie schon aufrecht gehen konnten erschienen die ersten Homo erst vor circa 2,5 – 2 Millionen Jahren. Diese Frühmenschen zeichneten sich durch eine große Gehirnmasse aus und waren die ersten, die Werkzeuge benutzten (Olduwan-Kultur). Man nimmt an, dass diese Hominiden schon Fleisch als Nahrung zu sich genommen haben. Wenn man weiter dieser Linie folgt kommt man zu Homo erectus, der aufrechte Mensch. Äußerlich sah er dem heutigen Menschen ähnlich und seine Werkzeuge waren sehr fortschrittlich (Acheuléen-Kultur). Es waren die ersten Homo, die Afrika verließen und in anderen Erdteilen siedelten.

Dieser Schritt wurde von ungefähr 1,6 Millionen Jahren begangen. Der Neandertaler, eine andere Art als der Homo sapiens, breitete sich aus und gelangte bis nach Nordeuropa. Er begründete eine eigene Werkzeugkultur, doch nachdem der Homo sapiens in Europa einwanderte blieb den Neandertaler nur noch wenig Zeit. Kurz darauf waren sie ausgestorben und durch den modernen Menschen ersetzt.

In dieser recht jungen Zeit kam es zu bedeutenden geographischen Ereignissen, so wurden Nord- und Südamerika endlich eine zusammenhängende Landmasse, wie wir sie heute kennen. Dementsprechend wurde vor 3,5 Millionen Jahren der Isthmus von Panama gebildet. Viele unserer heutigen Gebirge bekamen ihre endgültige Form: das Himalaja, die Alpen, die Rocky Mountains und die Appalachen.

Das Neogen ist klimatisch geprägt von Eiszeiten (Glaziale) und Warmzeiten (Interglazialen) Die Gletscher breiteten sich sehr stark aus und es kam zu massiven Inlandvereisungen. Heute noch kann man Spuren dieser gigantischen Massen sehen, so stößt man in vielen Teilen der Erde auf Findlinge mit mehreren Metern Durchmesser. Dies führte natürlich zu einem Absinken des Meeresspiegels und der Bildung von Seen (z.B. der Großen Seen in den USA vor circa 20.000 Jahren). Mit dem Eis wurde auch das Klima trockener, was die Ausbreitung der Wüsten begünstigte. Heute befinden wir uns in einer Warmphase, die vor ungefähr 35.000-10.000 Jahren begann und damit direkt auf die Würmeiszeit folgte, die in ihren Ausdehnungen die heftigste der jüngeren Erdgeschichte war.