Die Spätantike

Diocletianus und die Tetrachie
In der Spätantike fand nun ein grundlegender Wandel des politischen Systems statt. Waren in der hohen Kaiserzeit noch die Grundstrukturen der Republik erhalten, wenn auch ohne große Bedeutung, wurden sie nun endgültig bedeutungslos und die Bürger zu echten Untertanen degradiert – eine richtige Monarchie war entstanden. Ein weiterer sehr wichtiger Faktor für diese Epoche sie die Ausbreitung des Christentums.

Die Probleme vor denen Diocletianus (284 – 305) stand waren zum einen die innere Stabilität und zum anderen die ständigen Angriffe von Außen. Hier führte er 293 das System der Terachie ein – das Vierkaisertum. An der Spitze standen nun die sogenannten Augusti Diocletian und Maximianus und beide wählten einen Nachfolger, die Caesaren Constantinus Chlorus und Galerius. Die beiden Augusti waren gleichgestellt, doch dank der Autorität des Diocletian war er in einer bevorzugten Position.

Diese vier Herrscher teilten nun das Reich in verschiedene Arbeitsbereiche ein. Maximianus kontrollierte den Westen, Constantinus Chlorus Gallien und Britannien und im Osten waren Galerius und Diocletianus. Dieses System ließ nun keine Putschversuche mehr zu, da immer eine Autorität in der Nähe war und auch die Außengrenzen konnten so besser verteidigt werden.

Der nächste Schritt zur Besserung waren die überfälligen Verwaltungsreformen. Die Provinzen wurden verkleinert und ihre Zahl demnach erhöht. Es wurde zunehmend zwischen zivilen und militärischen Stellen im Staat unterschieden. Das Steuersystem wurde ebenfalls neu angepasst.

Am 1. Mai 305 dankten die beiden Augusti ab und zogen sich in ihr Privatleben zurück. Doch ohne Diocletianus konnte dieses arbeitsteilige System nicht stabil bleiben.

Constantinus I. der Große
Die beiden Caesaren Constantinus Chlorus und Galerius wurden nun zu Augusti befördert und hatten neue Nachfolger zu wählen. Nun kam es zu schweren Konflikten zwischen den Söhnen der Augusti und den ausgewählten Nachfolgern. Als 306 Constantinus Chlorus starb brach ein offener Bürgerkrieg aus, bei dem sich 324 in der Schlacht bei Adrianopel dessen Sohn Constantinus durchsetzten konnte. Die Tetrachie war nun beseitigt und Constantinus der alleinige Herrscher.

Seine politische Bedeutung für das Reich war enorm. Er führte militärische Reformen durch und schuf eine mobile Armee, die im Landesinneren eingesetzt werden konnte. Desweiteren trieb er die Trennung von zivilen und militärischen Laufbahnen voran und stabilisierte die Wirtschaft mit der Einführung einer neuen Währung – dem Solidus. Das Christentum wurde als Religion anerkannt und Byzanz als neue Hauptstadt ausgebaut (ab 330 Konstantinopel).

Seine Söhne wurden zu Caesaren ernannt und waren nun Mitregenten. Als er 337 starb brach erneut ein Bürgerkrieg aus und die Thronstreitigkeiten dauerten bis 353.

Von Constantinus bis Theodosius
Constantinus II. konnte sich bei diesen Kämpfen durchsetzten, doch wurden während dem Krieg die Rheingrenze empfindlich geschwächt, so dass die Alamannen 352 in Gallien einfallen konnten. Drei Jahre später überschritten auch die Franken und Sachsen die Grenze zum Reich. Der Kaiser versuchte mehrmals gegen die Feinde vorzugehen, doch der Erfolg blieb dem Caesar Julianus vorenthalten, der die Eindringlinge unter Kontrolle bringen konnte.

Als es an der Ostgrenze erneut zu Konflikten mit dem Persern kam, wollte Constantinus II. einige Truppenteile des Julianus in den Osten verlegen. Diese riefen daraufhin ihren Befehlshaber zum Gegenkaiser aus. Julianus zog nun nach Konstantinopel, doch bevor er die Stadt erreichen konnte verstarb Constantinus II. (361). Wäre die Regierungszeit des Julianus länger gegangen hätte die gesamte Geschichte Europas anders verlaufen können, denn er war ein Förderer der Heiden. Doch schon kurz nach seinem Antritt verstarb er auf einem Feldzug gegen die Perser.

Auf dem Feld wurde der Offizier Iovianus zum neuen Herrscher ausgerufen, der sofort Frieden mit den Persern schloss, um sein Heer zu retten. Aber ein Jahr später verstarb auch dieser Herrscher.

Es folgte der Offizier Valentinianus, der seinen Bruder Valens zum Mitregenten ernannte und in den Osten des Reiches schickte. Valentinianus zog in den Krieg gegen die Germanen und starb 375. Sein Sohn Gratianus wurde mit nur vier Jahren nun zum Augustus ernannt. Valens bekam im Osten ab 376 massive Probleme. Die Hunnen, ein Reitervolk, verdrängten die Germanen und verschoben die Völker von Osten nach Westen und von Norden nach Süden. Den Goten wurde nun gestattet in das Reich einzuziehen. Kurz darauf brach bei den Goten eine Hungersnot aus, in deren Folge die beiden Mächte aneinander gerieten. So kam es zur Schlacht bei Adrianopel am 9. August 378 zwischen Valens und den Goten, bei der Valens starb. Die Angreifer zogen nun in Richtung Konstantinopel und konnten dort aufgehalten werden.

Theodosius und die Völkerwanderung
Gratianus im Westen hatte ebenfalls schwere Probleme mit den Germanen, die von den Hunnen verdrängt wurden. Er bestimmte 379 Theodosius als Mitregent, der seine Armee sofort reorganisierte. In der Zwischenzeit spalteten sich die Goten und zogen durch die verschiedenen Provinzen an der Donau. Mit der einen Gruppe von Goten schloss Theodosius einen Vertrag, nach dem ihnen Land im Reich zu gewiesen wurde und sie dafür Militärdienst leisten mussten. Ihr Land unterstand gotischer Verwaltung und damit wurde ein Staat im Staate geschafften. Theodosius I. ging auch gegen das Heidentum vor und förderte die christliche Religion, die er später zur Staatsreligion erhob.

Im Jahre 383 ließ sich der Offizier Magnus Maximus in Britannien zum Kaiser ernennen und setzte auf das Festland über. Der Kaiser Gratianus im Westen floh mit seiner Mutter nach dem Einfall des Maximus in Italien an den Hof des Theodosius, der daraufhin mit seiner Armee gegen Maximus zog – im Jahre 388 konnte dieser dann auch besiegt werden.

Als 392 der junge Kaiser Gratianus verstarb riss der mächtige Beamte Eugenius die Herrschaft an sich, dabei wurde er von dem germanischen General Arbogast unterstützt. Doch auch diesen Aufstand konnte Theodosius niederschlagen und den Usurpator bezwingen. 395 verstarb Theodosius und hinterließ seinen Söhnen ein Reich, dass von nun an nicht mehr dasselbe Gesicht haben sollte.

Die Reichsteilung und die Germanen
Nachdem der Kaiser Theodosius verstorben war, teilten seine Söhne das Reich in zwei Hälften. Den westlichen Part erhielt Honorius und der Osten ging an Arcadius. Beide Kaiser waren noch sehr jung, Honorius war gerademal zehn Jahre alt und sein Bruder nicht viel älter (ca. 18 Jahre). Der Ältere starb schon 408 und veranlasste, dass sein siebenjähriger Sohn Theodosius II. den Thron bestieg. Der Nachfolger des Honorius, Valentinianus II., wurde 425 zum Augustus erklärt und das im Alter von sechs Jahren. In dieser Epoche der Kindkaiser gestalteten verschiedene Generäle und Minister die Politik.

In dieser mobilen Zeit kam es zu massiven Völkerwanderungen, die zunehmend in das Reich eindrangen, vor allem das Westreich hatte unter diesen Verschiebungen zu leiden. Alarich und seine Goten drangen 401 bis nach Mailand vor und belagerten die Stadt. Im Jahr darauf konnte der römisch-germanische General Stilicho die Eindringlinge besiegen. Doch für diese Aktionen mussten die Grenzen geschwächt werden. Dies erlaubte anderen Völkern den Übertritt auf römisches Gebiet. So drangen die Vandalen, Sueben und Alanen in Gallien ein.

Alarich der Gotenkönig forderte nun von den Römern einen enormen Goldtribut, den der General Stilicho bereit war zu bezahlen. Daraufhin wurde Stilicho 408 verurteilt und hingerichtet, was zu Folge hatte, dass die römisch-germanischen Truppen die Fronten wechselten. Nun konnte Alarich 410 Rom erobern und plündern. Kurz darauf verstarb Alarich und sein Bruder zog sich mit den Goten 411 nach Gallien zurück.

In Gallien war die Lage weit chaotischer und erst um 418 kehrte wieder Ruhe ein. Viele germanische Stämme hatten sich nun angesiedelt und ihre eigenen Reiche errichtet. Im Süden Galliens um Toulouse siedelten die Westgoten unter Wallia. Auch die Franken konnten sich in Gallien festsetzten und waren fortan nicht mehr zu verdrängen.

Auf der iberischen Halbinsel gingen die Vandalen eigene Wege und unter dem Druck der römisch-germanischen Armee setzten sie nach Afrika über, wo sie ein eigenes Reich unter König Geiserich gründeten. Spätestens als die Vandalen 439 das alte Karthago eroberten, mussten die Römer klein beigeben und einen Frieden mit ihnen schließen.

Im Osten war die Situation zwar besser aber alles andere als beruhigend. Die Hunnen waren auch bis hier her vorgedrungen und man ließ sich im Ostreich den Frieden einiges kosten. Also zog Attila nach Gallien und wurde dort in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern 451 zum Rückzug gezwungen. 452 zog es Attila nach Italien, doch als er kurz darauf verstarb, brach sein Reich zusammen.

Im Westen hatten nach dem Tode Valentianus III. 455 nicht mehr die Kaiser die Macht in den Händen, sondern die Generäle, die auf die Loyalität der Armee bauen konnten. Im selben Jahr konnten die Vandalen, nach der Einnahme Korsikas und Sardiniens, Rom erobern und plündern. In Gallien dehnten sich die Westgoten ab 466 unter ihrem König Eurich stark aus. Sie konnten auch ihre Herrschaft in Spanien bis 473 etablieren. Auch die Franken im Norden und die Burgunder am Rhein stellten nun wichtige Machtfaktoren dar.

Der Untergang des Westreichs
Diese Ausdehnungen der Germanen vor allem in Gallien schwächte die römische Armee empfindlich. Es konnten weniger Rekruten angeworben werden und man musste die Armee mit germanischen Truppen aufrecht erhalten. Durch den logischen Steuerausfall konnten diese Truppen nicht mehr ordnungsgemäß bezahlt werden und sie begannen zu meutern. Der römische Oberbefehlshaber Orestes wurde ermordet und der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus abgesetzt. Das Machtvakuum füllte der neue König Odoaker, dessen Herkunft heute umstritten ist. Im Jahre 476 nach Christus ging das weströmische Reich unter.

Das oströmische Reich
Der oströmische Kaiser beauftragte den Ostgotenkönig Theoderich das verlorene Italien zurück zu erobern. Dies gelang ihm und so wurde er 493 zum Herrscher über Italien ausgerufen. Diese Entscheidung mussten die Oströmer nun anerkennen und Theoderich konnte nun eine Periode des Friedens in Italien schaffen (zwischen 493 – 526).

In Nordgallien begannen die Franken unter König Chlodwig (481 – 511) sich weiter auszudehnen. Der wichtigste Schritt dazu war der Sieg über das Westgotenreich im Jahre 507.

Im Osten kam es zu einer Zeit des Friedens und Wohlstands bis 527 der junge Justinianus auf den Kaiserthron gelangte. Er hatte sich vorgenommen die gesamten ehemaligen römischen Provinzen zurück zu erobern und in sein Reich aufzunehmen. Ab 533 ging er gegen die Vandalen in Afrika vor, die er in zwei Schlachten besiegen konnte. Dann konnte er nach Sizilien übersetzen und weite Teile Italiens zurück erobern – einschließlich Rom. Trotz großen Widerstands war bis 538 ganz Italien von den Oströmern besetzt. Doch 540 starteten die Goten einen Gegenschlag und auch die Perser an der zweiten Front nahmen erneut die Kämpfe auf, sowie an einer dritten Front gegen Maurenstämme in Afrika musste man bestehen. Bis 550 hatten die Goten Italien wieder in ihrer Hand und standen in Sizilien. Erneut starteten die Römer 552 eine Offensive und sie eroberten Italien bis 554 zurück. In Spanien war man nun ebenfalls militärisch gegen die Ostgoten aktiv geworden.

Diese zermürbenden Kriege belasteten nicht nur die Finanzen sehr stark, sondern führten zu einer Schwächung der Grenzen und der Ressourcen. Damit war man im römischen Reich um Konstantinopel an die Grenzen seiner Kräfte gestoßen und die Nachfolger konnten das Erbe nicht mehr verteidigen. Zunehmend verloren sie an Einfluss in den Teilen ihres Reichs und spätestens mit der islamischen Flut im 7. Jahrhundert, die sich über den Nahen Osten und Kleinasien ergoss, wurde das alte Reich der Römer zermahlen.