Vorgeschichte und Frühzeit Roms

Im zweiten Jahrtausend vor Christus glich der westliche Mittelmeerraum den meisten besiedelten Gebieten im Osten. Es existierten viele kleine Herrschaftseinheiten, die ab und an sogar urbanen Charakter aufwiesen. An manchen Stellen bildeten sich ausgewachsene Zivilisationszentren heraus, die diesen Kulturkreis beeinflussen sollten.

Die Phönizier waren das erste Volk aus dem Osten, dass rege Handelskontakte in diese Gegend unterhielt. Wenig später zog es auch die Griechen gen Westen und viele Handelsorte wurden gegründet. Während dieser Zeit, also im ersten Jahrtausend vor Christus, gab es verschiedene indogermanische Einwanderungswellen, die sich über die italienische Halbinsel ausbreiteten. Eines dieser eingewanderten Völker waren vermutlich die Etrusker, die sich auf dem Land, das heute zur Toskana gezählt wird, niederließen. Die Etrusker gründeten Städte, die als zentrale politische Einheiten fungierten. An der Spitze dieser Hierarchie stand der Stadtkönig, der das Oberhaupt der Wehr- und Kultgemeinschaft war.

Die phönizischen Händler nutzten ihr Handelsnetz, um Rohstoffe, vor allem Metalle, und Luxusgüter zu erwerben. Damit dieses Netzwerk reibungslos funktionieren konnte, gründeten sie ebenfalls Städte, darunter auch das berühmte Karthago (circa 800 vor Christus) oder Gades. Karthago stieg sehr schnell zu einer bedeutenden Siedlung auf, die in den kommenden Jahrzehnten ihren Einfluss sehr weit ausdehnen konnte. Um 650 vor Christus begannen die Karthager selbst Siedlungen außerhalb von Afrika zu gründen, so auf Ibiza. Sie führten unter dem Feldherrn Malchus auch militärische Aktionen durch, zum Beispiel auf Sizilien, in Afrika und auf Sardinien.

Um den Seehandel zu festigen, gingen die Karthager ein Bündnis mit den Etruskern ein, was jedoch zu einem Konflikt mit den griechischen Städten führte. Die Griechen gründeten nun im Zuge der Kolonisation immer mehr Städte. Syrakus auf Sizilien wurde nun eine der wichtigsten Städte im Westen. Diese zunehmenden Kontakte führten nicht nur zu Konflikten, der kulturelle Austausch war für alle Seiten vorteilhaft – die Etrusker übernahmen sogar die griechische Schrift.

Die etrurische Adelsschicht versuchte natürlich ihre Expansionspolitik durchzusetzen und gelangte auf der italienischen Halbinsel immer weiter nach Süden. Auf ihrem Weg begannen sie Städte zu gründen, darunter Spina, Capua, Nola, Pompeji, Tusculum und Ruma (später Roma) in Latium.

Der Gründungsmythos von Rom
Nachdem der Trojanische Krieg vorüber war, flüchteten einige der Menschen unter der Führung des Aeneas nach Italien. Aeneas war ein Vetter des gefallenen trojanischen Königs Priamos und Sohn der Venus. Er konnte nach dem Fall Trojas einige Gefährten sammeln und begab sich auf eine lange Irrfahrt. So erreicht er zunächst Karthago, dessen Königin Dido sich in ihn verliebt. Apollon befahl ihm Dido zu verlassen und nach Italien aufzubrechen. Latinus der König in Latium nimmt die gestrandeten auf und später heiratet Aeneas dessen Tochter Lavinia. Sein Sohn Iulus gründete nach seinem Tod die Mutterstadt Roms Alba Longa. In dieser Stadt etablierte sich eine Monarchie und der Sage nach gelangte Numitor Silvius auf den Thron. Dieser unglückliche König wurde von seinem jüngeren Bruder Amulius gestürzt und die Tochter des alten Königs Rhea Silvia wurde gezwungen eine Priesterin der Vesta zu werden – den Sohn ließ er ermorden.

Als Priesterin der Vesta musste die junge Frau ein Keuschheitsgelübte ablegen und konnte damit keine legitimen Königsanwärter hervorbringen. Der Kriegsgott Mars jedoch schenkte Rhea Silvia Zwillinge, deren Geburt die mit ihrem Leben bezahlen musste. Dies waren die legendären Gründer Romulus und Remus.

Als Amulius von dieser Geburt hörte, ließ es die beiden Brüder in eine Wanne legen und setzte sie im Tiber aus. An einer schlammigen Stelle strandeten die Zwillinge und wurden von einer Wölfin (Mama Lupa) in Sicherheit gebracht. In ihrer Höhle säugte die Wölfin die Kinder und ein Specht brachte ihnen weitere Nahrung herbei.

Irgendwann wurden sie vom Hirten Faustulus (er unterstand Amulius) gefunden und aufgezogen. Als sie deutlich älter waren gerieten sie in Streit mit den Hirten des alten Numitor, ihrem Großvater. So wurden sie diesem Herren vorgeführt und jener erkannte seine Enkel. Zusammen stürmten sie den Palast von Alba Longa und Numitor wurde wieder König. Amulius musste mit seinem Leben bezahlen und wurde erschlagen.

Aus lauter Dankbarkeit erlaubte der alte König den Zwillingen eine Stadt zu gründen. Nun stellte sich den beiden die Frage, wer der Bauherr und Namesgeber werden sollte. Ein Streit bahnte sich an und Romulus gewann die Auseinandersetzung. Er baute die ersten Befestigungen und Remus begann darüber zu spotten; er sprang in einem Satz über diesen Wall. Romulus wurde wütend und erschlug seinen Bruder, als er sagte “So möge es jedem ergehen, der über meine Mauer springt!” Rom wurde der Legende nach am am 21. April 753 vor Christus gegründet.

Viele Ausgestoßene begannen sich in der Stadt zu sammeln, doch es herrschte akuter Frauenmangel. Da griff der junge König zu einer List: Er lud die Bewohner der anderen umliegenden Städte ein und überraschte die unbewaffneten Gäste, um deren Töchter zu rauben. Die meisten davon waren Sabinerinnen, die sich später zur Heirat überreden ließen.

Als die Sabiner einige Zeit später mit einem Heer kamen, stellten sich die Frauen zwischen die beiden Parteien und erzwangen einen Frieden.

Romulus wurde nach langer Herrschaft von seinem Vater Mars während einer Sonnenfinsternis zu den Himmlischen gerufen.

Auch diese Geschichte enthält ihren wahren Kern. Um die Zeit dieses angeblichen Gründungsdatums kam es vermutlich zur Zusammenfassung der verschiedenen Siedlungen. Über den tatsächlichen Ablauf lässt sich heute sehr wenig sagen, da die schriftlichen Quellen dies nicht ausreichend überliefert haben. Schon in der Antike gab es lebhafte Debatten über die Gründung Roms.

Mangels historischer Quellen muss uns hier die Archäologie aushelfen. Im 6. Jahrhundert ist ein klarer urbaner Charakter der Stadt Rom zu erkennen. Es existierte ein Heiligtum der Vesta und viele verschiedene prachtvolle Wohnhäuser von Aristokraten. Einige Tempel wurden gefunden, sowie ein öffentlicher Versammlungsplatz in der Nähe des Capitols. Auf dem Capitol stand schon sehr früh ein Tempel, der dem Hauptgott Iupiter geweiht war. Das Forum Boarium am Ufer des Tiber war der zentrale Handelsplatz dieser jungen Stadt.