Die minoische Kultur

Am Beginn der griechischen Geschichte steht die minoische Kultur. Sie wurde nach der Sagengestalt des König Minos benannt, der eine wichtige Rolle in der griechischen Mythologie einnimmt. Er war der Sohn von Zeus und dessen Eroberung Europa, die der Göttervater nach Kreta entführte. Der Legende nach wollte König Minos seine Herrschaft über Kreta konsolidieren, indem er einen prächtigen Stier opferte. Dieses Tier war eine Gabe des Meeresgottes Poseidon. Der König überlegte es sich anders und wollte diesen schönen Stier nicht töten. Ein Fehler, denn seine Frau Pasiphae verliebte sich in diesen Stier und ließ sich eine hölzerne Kuh bauen, in der sie sich von jenem Bullen begatten ließ. Das Produkt dieser Vereinigung war das Ungeheuer Minotaurus. Daraufhin sperrte der König diese Bestie in ein Labyrinth und die Athener mussten nun jährlich sieben Jünglinge und Jungfrauen diesem Untier ausliefern. Erst viel später gelang es Theseus dieses Wesen zu töten.

Die Früh- und Vorpalastzeit
Dieses Märchen ist eine schöne Geschichte, dennoch hat es mit den historischen Tatsachen nicht viel gemein. Über König Minos ist relativ wenig bekannt, nur die antiken Historiker Herodot und Thukydides erwähnen ihn als den Begründer der ersten Thalassokratie, das heißt eine Staatform, die sich auf ihre Überlegenheit zur See stützt. Die minoische Kultur, die nach diesem König Minos benannt, wurde auf Kreta de facto eine bedeutende Seemacht, die vielleicht sogar die ganze Ägäis kontrollierte. Weite Teile der Peloponnes konnten durch die Minoer erobert werden und auch eine Einflussnahme auf Zypern wäre denkbar.

Es waren Menschen der Kupferzeit, die vor etwa 3.000 Jahren vor Christus auf Kreta lebten. In dieser Vorpalastzeit (3.100 ? 2.000 vor Christus) kam es zu einem raschen Bevölkerungsanstieg und dadurch nahm die Dichte der Bevölkerung immer weiter zu. In diesen vielen kleineren Siedlungen lebten bis zu 50 Menschen, die sich der Metallbearbeitung und der Keramik hingaben. Eindrucksvoll sind auch die Kuppelgräber, die hauptsächlich im Süden der Insel auftauchen. Die Grabbeigaben lassen sich wiederum auf eine komplexe soziale Differenzierung zurückführen. Der Reichtum der Insel stammte vermutlich zu Teilen aus den regen Handelskontakten nach Ägypten, zu den Kykladeninseln, nach Kleinasien und sogar Italien.

Plötzlich kam es zu einem Bevölkerungsrückgang, dessen Gründe wir nicht genau kennen.

Die Altpalastzeit
In der Altpalastzeit (2.000 ? 1.700 vor Christus) stabilisierte sich die Situation wieder und es kam zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Um 2.000 vor Christus tauchen dann in Knossos, Malia, Phaistos, Galatas und Kato Zakros die ersten Paläste auf. Sie dienten als zentrale Verwaltungsorte, die dem gestiegenen Organisationsbedarf Rechnung tragen sollten. Hier trafen sich die Händler und zudem wurden kultische Angelegenheiten erledigt. Die Eliten dieser Gesellschaft konzentrierten sich in den Palästen und die ersten größeren Städte entstanden. Ein Erdbeben beendete die Altpalastzeit, doch es wurde sehr schnell mit dem Wiederaufbau begonnen.

Die Neupalastzeit
Die Neupalastzeit (1.700 ? 1.400 vor Christus) beginnt mit dem Wiederaufbau der zerstörten Gebäude. Der Palast von Knossos wurde vergrößert und es zeig sich auch eine Weiterentwicklung der Architektur.

Aber um 1.450 vor Christus kam es zu einer weiteren Katastrophe. Warum genau die Paläste zerstört wurden ist in der Forschung umstritten. Die Ursache könnte ein weiteres Erdbeben, innere Aufstände oder Angriffe von Außen gewesen sein. Am verbreitetsten ist die Meinung, dass die mykenischen Festland-Griechen die Insel Kreta angriffen und die Zentren zerstörten (außer Knossos).

Die Nachpalastzeit
Während der Nachpalastzeit (1.450/1.400 ? 1.100/1.050 vor Christus) lebte die minoische Kunst weiter und wirkte sehr stark auf die mykenische Kultur ein. Minoische Gegenstände sind auf den ganzen Peloponnes zu finden und verschmelzen mit der mykenischen Kultur zunehmend. Auf Kreta selbst bleiben minoische Stile bis in die archaische Zeit erhalten.

Kreta war nun Teil der mykenisch-griechischen Welt und die politische Macht wurde von Knossos aus ausgeübt.

Struktur der Gesellschaft
Die Minoer lebten in einer recht komplexen Gesellschaft und bedienten sich aus organisatorischen Gründen der Schrift. Sie haben uns viele schriftliche Zeugnisse hinterlassen, doch ist ihre Schrift (Linear A) nicht vollständig lesbar.

In den schon genannten Palästen konzentrierte sich die politische Macht, doch ist man sich in der Forschung noch nicht sicher, ob es eine Art König gab. Durch zahlreiche Tontäfelchen wissen wir aber, dass Abgaben erhoben, die in den Palästen verwahrt wurden.

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