Das klassische Griechenland

Grundstruktur der klassischen Epoche

soziale Bevölkerungsstruktur

Die soziale Grundstruktur der klassischen Zeit fußte auf der kleinsten politischen Einheit – der Polis. Die Bevölkerung lässt sich in zwei große Gruppen teilen – die Freien und Unfreien. Zu den freien Menschen zählten die Bürger, sowie ihre Familien, die freigelassenen Sklaven und Fremde. Bei Letzteren wurde noch einmal unterschieden, ob sie dauerhaft in der Polis lebten (Metöken) oder ob sie nur einen kurzen Aufenthalt hatten (Xenoi).

Die politische Gewalt lag bei den Bürgern und ihre Rechte waren abhängig vom jeweiligen Staatsaufbau. Meist beinhalteten sie die Wehrpflicht, das Übernehmen politischer Ämter und andere öffentliche Aufgaben.

Besonders erwähnt werden sollte die hohe Stellung der Frauen in Sparta. Sie waren voll geschäftsfähig, gleichberechtigt und frei in vielen Entscheidungen, zum Beispiel die Wahl des Ehepartners (auch mit mehreren Ehemännern). In vielen anderen Stadtstaaten waren die Frauen den Männern untergeordnet, konnten jedoch ein freies Leben führen.

Wirtschaftliche Überlegungen förderten die Ansiedlung von Metöken, die auch als Spezialisten (Bauleiter, Ärzte, Künstler oder Wissenschaftler) oft unentbehrlich waren. Der berühmte Arzt Hippokrates oder der Historiker Herodot waren solche Experten. Ihnen wurden viele Rechte zugestanden, außer den Erwerb von Grundbesitz.

Auf der untersten Stufe befanden sich die Sklaven, die den Tieren gleichgesetzt wurden. Sie hatten absolut keine politischen oder persönlichen Rechte und galten als bloßer Besitz ihrer Herren. Sie wurden für jede Art von Arbeit herangezogen, vom Bergarbeiter bis hin zu angesehenen Spezialisten reichte das Spektrum. Für viele staatliche Aufgaben wurden ebenfalls Sklaven gehalten, die in hohe Positionen aufsteigen konnten.

ökonomische Grundstruktur

Der Sockel des wirtschaftlichen Systems war die Landwirtschaft, oft als Subsistenzwirtschaft auf kleinen Höfen betrieben. Angebaut wurde hauptsächlich Getreide, Oliven und Wein, zudem anderes Obst und Gemüse. Nutztiere waren Schafe, Ziegen und Schweine, selten Rinder. Der Speiseplan wurde oft durch Fisch ergänzt.

Eine so komplexe Gesellschaft kommt natürlich nicht ohne Handwerker aus. Die wichtigsten Arbeiten außerhalb von Städten wurden oft von Wanderhandwerkern erledigt. Innerhalb von Städten war eine Arbeitsteilung nötig und wurde auch praktiziert.

Weitere wichtige Säulen der Wirtschaft waren der Handel, begünstigt durch ein modernes Währungssystem und ausgebaute Verkehrswege, sowie die Rohstoffförderung.

Politische Verfassungen

Zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert kam es in Sparta zu einer Regelung des Staatsaufbaus und der Kompetenzen. An der Spitze standen weiterhin die Könige (basileis), die jedoch von einem Rat (gerusia) und der Volksversammlung (apella) vervollständigt wurde. Zur Aufsicht wurden neben die Könige fünf Ephoren gestellt. Um am politischen Leben teilnehmen zu können, war der Status eines Vollbürgers und Grundbesitz eine unerlässliche Voraussetzung.

Der Staatsaufbau in Athen war deutlich anders. Ab 461 vor Christus hat sich mit der Entmachtung des Areopags die Demokratie etabliert. Perikles führte auch die Zahlung eines Tagegelds ein, das es jedem ermöglichte ein politisches Amt zu bekleiden (später auch Geld für die Teilnahme an Volksversammlungen). Das zentrale Organ dieser Verfassung war die Volksversammlung (ekklesia), daneben gab es einen Rat (bale) und einen Volksgerichtshof (heliaia). Dieses System gründete auf einem hoch effizienten Verwaltungsapparat. Die Versammlung war für die Wahl der Strategen und Schatzmeister zuständig. Die Magistraten wurden durch das Los ermittelt. Außerdem war das Volk für die Gesetzgebung zuständig und hatte über Krieg und Frieden zu entscheiden. Die Vorbereitung und Leitung dieses Organs übernahm der Rat, der auch die Abstimmung (Handzeichen oder Stimmmarke) beaufsichtigte. In diesem Rat saßen Vertreter aus allen Phylen, die unter sich einen Vorsitzenden auslosten. Außerdem oblagen dem Rat die Kontrolle der Finanzen und die Überwachung der Verwaltung.

Das Volksgericht bestand aus 6.000 Geschworenen, die ausgelost wurden und richterliche Kompetenzen hatten. Die Fälle wurden ihnen erst kurz vor Prozessbeginn zugeteilt, um rechtswidrige Absprachen zu verhindern.

Kunst und Kultur

Die Klassik in der griechischen Antike zählte wohl zu den unerschöpflichen und einflussreichsten Epochen des Abendlandes. Natürlich kann in diesem Rahmen nicht annähernd die gesamte Breite dieses Spektrums erfasst werden, doch soll hier ein kleiner einleitender Einblick gegeben werden.

Voraussetzungen für die Entfaltung dieser Kultur waren die politischen Wandlungen (Entstehung der Polis) und die Perserkriege, die den Griechen enormes Selbstbewusstsein gegeben haben.

Athen wuchs mit der Zeit zur Hauptstadt der Künste heran – es werden verschiedene Gründe dafür genannt. Der Wichtigste ist wohl, dass es hier genug Geld für die Verwirklichung so mancher Idee gab. Hier entstand also die Schule Griechenlands, die die Führungsrolle in Kunst, Literatur, Philosophie und Wissenschaft übernahm. Die Neugestaltung der Akropolis hebt die Blüte der Architektur hervor.

Die vielen Komödien und Tragödien haben bis heute nichts an ihrer Schönheit und Ausdruckskraft verloren. Während des Festes Dionysien kam es zu Theaterwettbewerben, bei denen die größten Autoren ihr Können unter Beweis stellen konnten. Aristophanes, Aischylos, Sophokles und Euripides sind die heute bekanntesten Dichter. Von den vielen tausend Werken sind uns heute nur noch 32 Tragödien und 11 Komödien erhalten.

Mit Athen und Klassik verknüpft man meistens die Namen Sokrates, Platon und Aristoteles. Sie sind Vertreter der großen Philosophie, die in Griechenland ihre mächtigen Wurzeln ausbildete.

Die Naturphilosophen (Thales, Heraklit, Anaximander, Xenophanes, Pythagoras, Parmenides, Zenon) waren hauptsächlich in Kleinasien auf der Suche nach dem Ursprung der Welt. Sie versuchten die Natur zu durchschauen und Prinzipien aufzudecken, damit legten sie die Grundlage für die modernen Wissenschaften.

Auch die Sophistik, Rethorik und der Agnostizismus hatte ihre Blüte mit vielen bedeutenden Gelehrten, zum Beispiel Protagoras, Gorgias, Thrasymachos, Prodikos, Antiphon, Kritias, Isokrates, Aischines und Demosthenes.

Im Gegensatz dazu bildete sich in Athen eine andere Schule heraus – die Sokratiker. Sokrates Philosophie animierte ihn selbst dazu auf die Menschen direkt zu zugehen und sie auf Fehler in ihrem vernünftigen Denken und Handeln hinzuweisen (Mäeutik). Eigentlich wollte er die Menschen damit nur zum Guten hinführen und sie zu – richtigen Menschen – wandeln, doch wurde dieser Fragesteller den Mächtigen zunehmend unbequem. Sokrates wurde 361 vor Christus wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt und hinterließ einen Schüler, der ein würdiger Erbe war – Platon.

Platon hinterließ ein reiches Erbe und seine Aufzeichnungen bieten einen Einblick in sein Denken. Er beschäftigte sich mit Vielem, zum Beispiel dem Staatsaufbau, der Erkenntnis und den Wissenschaften. Auch ihn sollte ein großer Philosoph beerben – sein Schüler Aristoteles.

Aristoteles war noch vielseitiger als sein Lehrer. Politik, Naturwissenschaften, Ethik,… unendlich vieles mehr könnte man über diesen Mann schreiben; genau wie über die gesamte griechische Klassik. Die großen Historiker Herodot, Thukidides und Xenophon müssen hier leider unerwähnt bleiben. Der Umfang dieses antiken Gesamtwerkes und seiner Folgen ist so enorm, dass es wahrscheinlich niemandem gelingen wird dies alles zufriedenstellend darzustellen.

Sparta und die Macht

Sokrates hat es auf den Punkt gebracht. Er sagte spöttisch, dass zu Beginn der Klassik die Griechen um das Mittelmeer saßen, wie die Frösche um einen Teich. Die vielen Kolonialstädte verfolgten ihre eigene Politik, fühlten sich aber der hellenistischen Welt verbunden.

In vielen Städten kam es zu grundlegenden politischen Veränderungen. Diese Situation konnten viele nutzen, um eine Tyrannis zu etablieren, oft kam es auch zu Bürgerkriegen. Mächtigen Staaten konnten ihr Einflussgebiet weit ausdehnen – eine dieser Mächte war Sparta.

Die Spartaner halfen im 6. Jahrhundert vielen Polis sich von unliebsamen Tyrannen zu befreien und wurden so zur wichtigsten Kraft der frühklassischen Zeit. Sie begannen damit ein Bündnissystem (Symmachie) aufzubauen, deren Mitglieder ihre Hegemonie anerkennen mussten. Der Peloponnesische Bund umfasste fast alle Staaten der Peloponnes und reichte zeitweise auch darüber hinaus. Man einigte sich dieselben Feinde und Freunde zu haben, was man als den Kernsatz der antiken Bündnissysteme festhalten kann.

Athen widersetzte sich der Eingliederung in diesen Bund, obwohl Sparta die Bürgerschaft von den peisistratischen Tyrannen befreite.

Der Aufstieg Athens

Die kleisthenischen Reformen entfalteten langsam ihre Wirkung und ein militärischer Aufstieg begann. Gegen verschiedene Angreifer konnten sie sich gut verteidigen und erreichten sogar eine Vergrößerung des Polisterritoriums (z.B. Insel Salamis). Dies alles führte natürlich zu einem gesteigerten Selbstwertgefühl, dass die Athener sich zutrauten in den Jahren der Perserkriege den Angreifern die Stirn zu bieten.

Exkurs: Das persische Großreich (Achämenidenreich)

Vom Zentrum des heutigen Iran aus konnte sich das Volk der Perser in kurzer Zeit über den gesamten Orient ausbreiten. König Kyros eroberte das Reich der Meder und damit fiel ihm die Macht über ein Großreich zu. Seine weitere Politik zielt ganz auf Expansion ab und im Zuge dieses Vorgehens vielen die griechischen Städte Kleinasiens unter persische Herrschaft.

In der persischen Politik war der Gedanke die Weltherrschaft zu erlangen stets von zentraler Bedeutung und ihr Reich konnten sie bis nach Indien ausdehnen.

Der Nachfolger des Kyros, Kambyses, führte diese Machtpolitik weiter und unterwarf Ägypten. Nach dem Tod dieses Herrschers kam es zu Thronstreitigkeiten und Dareios I. konnte sich 520 vor Christus behaupten. Innenpolitisch schuf er eine stabile Verwaltung, indem er das riesige Reich in Satrapien unterteilte und das Steuer- und Währungssystem reformierte. Er war auch der Erbauer von Persepolis als neue Residenzstadt, doch die Verwaltung beließ er in Susa. Außenpolitisch orientierte er sich an seinen Vorgängern. Unter seiner Herrschaft hatte das Perserreich die größte Ausdehnung. Er konnte auch weite Teile von Makedonien und Thrakien erobern, damit wurden die Perser ein direkter Nachbar der griechischen Staatenwelt.

Das Zeitalter der Perserkriege

Unter der enormen Bedrohung durch die Perser, die sich abzuzeichnen schien, rückten die Griechen enger zusammen und intensivierten ihr Beziehungen. Im Jahre 500 vor Christus kam es wegen einer gescheiterten Militäraktion gegen die Insel Naxos zu einem Konflikt zwischen Aristagoras von Milet und seinem persischen Vorgesetzten. Aristagoras rief die anderen griechischen Städte entlang der kleinasiatischen Küste auf, den Persern Widerstand zu leisten. Die Stadtstaaten folgten diesem Ruf und der ionische Aufstand begann.

Auf dem griechischen Festland war man etwas zurückhaltender; nur die Athener schickten militärische Hilfe nach Kleinasien, die aber schon bald wieder abgezogen wurde. Die Aufständischen konnten bis 498 vor Christus wichtige Erfolge feiern, was darauf zurückzuführen ist, dass die Perser viel Zeit für ihre Mobilisierung benötigten. Doch schon 494 vor Christus hatten die Perser wieder die Kontrolle über die rebellischen Gebiete und zerstörten die Stadt Milet. Die Perser waren nun daran interessiert die Verhältnisse in Kleinasien wieder zu stabilisieren.

Der Feldherr Mardonios (ein Schwiegersohn des Dareios I.) wagte 492 vor Christus den Angriff auf das griechische Festland. Ein kombiniertes Land-See-Unternehmen sollte den Sieg bringen. Doch das Wetter war auf der Seite der Griechen, denn am Berg Athos kam die persische Flotte in ein schweres Unwetter und wurde zerstört. Der erste Angriff war abgewehrt, doch nur zwei Jahre später startete die nächste Aktion.

Im Jahr 490 vor Christus, nach sehr intensiven Rüstungsbemühungen, machten sich die Perser auf den Weg nach Griechenland. Damit sie nicht das gleiche Schicksal erlitten, als bei ihrem ersten Angriff, wählten sie den Seeweg quer über die Ägäis. Die Polis Eretria wurde eingenommen und danach setzten die Perser auf das Festland über und errichteten ihr Lager in der Bucht von Marathon. 20.000 Soldaten und hunderte von Reitern bedrohten nun Athen, das sofort einen Hilferuf nach Sparta sandte. Noch bevor die Spartaner zur Stelle waren, kam es zur Schlacht von Marathon, die die unterlegenen Athener für sich entscheiden konnten. Dadurch wurde das Selbstbewusstsein der Athener noch weiter gesteigert und die neue politische Struktur (Kleisthenes) hatten sich bewährt.

Nach ihrem Sieg begannen die Athener unter Führung des Themistokles ein großes Flottenbauprogramm (200 Tireren). Damit man diese Schiffe einsetzten konnte, mussten viele neue Wehrpflichtige ausgehoben werden. Dadurch steigerte sich der Einfluss der Bürger immer weiter, was zu einer zunehmenden Demokratisierung führte.

Der Nachfolger des Dareios I., Xerxes, begann ab 484 vor Christus erneut gegen die Griechen zu rüsten und versuchte es wieder mit einem Land-See-Manöver. Im Jahre 481 vor Christus machte sich ein Heer von 100.000 Soldaten und 600 Schiffen auf den Weg gen Griechenland. Viele griechische Stadtstaaten stellten sich auf die Seite der Perser oder verhielten sich neutral, die anderen schlossen sich unter der Führung Spartas zu einem Verteidigungsbündnis, dem Hellenenbund, zusammen.

Die griechischen Landtruppen mussten bei den Thermophylen eine bittere Niederlage hinnehmen und die hellenische Flotte zog sich bis zur Insel Salamis zurück. In letzter Minute konnte Attika über die See evakuiert werden und im September 480 vor Christus kam es zur Seeschlacht bei Salamis. Unter den Augen des Großkönigs Xerxes wurden große Teile der persischen Flotte vernichtet und die Übrigen flohen. Durch den Verlust der Flotte wurden die Landtruppen entscheidend geschwächt und fast genau ein Jahr später konnten die Griechen das persische Heer in der Schlacht von Plataiai (479 vor Christus) schlagen. Zeitgleich konnten die übrigen Schiffe der Flotte bei der Halbinsel Mykale zerstört werden.

Nun waren die Griechen dabei von der Verteidigung zum Angriff überzugehen. Die Flotte der Griechen setzte nach Kleinasien über und viele Inseln wurden in den Hellenenbund aufgenommen.

Athen und Sparta

Nachdem die große Bedrohung durch die Perser abgewendet war, begannen unter den Griechen wieder die machtpolitischen Spielchen. Die Protagonisten waren die beiden mächtigsten Polis Sparta und Athen. Die vielen kleineren Polis nutzten diese Konkurrenz, um daraus Vorteile zu ziehen. Auf der Samos-Konferenz im Jahr 479 vor Christus begann man sich von Sparta zu lösen, da diese Aktionen in Kleinasien nicht unterstützen wollten. Die Flotte des Hellenenbundes wurde ab nun Athen unterstellt und Aristeides formte daraus 478/477 vor Christus den Delisch-Attischen Seebund (Erster Attischer Seebund) unter der Führung Athens. Dieses Bündnis war in seinen Strukturen besser gefestigt als der lose Hellenenbund. Es wurden Verträge mit vielen Küstenstaaten und Inseln geschlossen, die sich zu Hilfeleistungen verpflichteten.

Auf den Peloponnes waren die Spartaner mit der Sicherung ihrer Herrschaft beschäftigt, da Messenien und andere Stadtstaaten, wie Arkadien und Elis ihre Unabhängigkeit anstrebten.

Diese Konstellation erlaubte Athen ein sehr angriffslustiges Vorgehen; in der Forschung wird dies oft als kimonische Ära bezeichnet, benannt nach dem Politiker und Feldherr Kimon. Aggressives Vorgehen gegen die Perser und der Ausbau des Seebundes waren kennzeichnend für diese Epoche.

Die Athener verfolgten auch immer öfter eigene Interessen und wussten den Seebund als Mittel einzusetzen. Für sie war es natürlich wichtig die Handelsrouten zu sichern und die eigenen Machtansprüche durchzusetzen. Es kam, nachdem Persien keine Gefahr mehr darstellte (Schlacht am Eurymedon), zu Konflikten mit den Bündnispartnern. Die Revolten in Naxos (467 vor Christus) und Thassos (466 vor Christus) wurden blutig niedergeschlagen.

In Athen kam es zu dieser Zeit auch zu einem Stimmungswandel. Bisher hatte man versucht den Spartanern aus dem Weg zu gehen, doch nun suchte man die Auseinandersetzung. Natürlich führte dies in Athen zu Spannungen, die man nutzte um den Areopag zu entmachten und die Befugnisse dem Rat der 500, der Volksversammlung und dem Volksgericht zu übertragen. Dies war der Beginn der attischen Demokratie, die sich für fast 150 Jahre halten sollte. Bei diesen machtpolitischen Spielchen konnte sich Perikles durchsetzten und Kimon wurde ins Exil geschickt.

Im Jahre 461 vor Christus lösten die Athener den alten Hellenenbund auf und suchten damit den Streit mit Sparta. Auf der anderen Seite wollten sie natürlich ihren Einfluss in der Ägäis ausbauen, damit begaben sie sich in eine gefährliche Zweifrontenstellung.

Erster Peloponnesischer Krieg (457 – 446/445 vor Christus)

Athen ging Bündnisse mit Megara und Argos ein und konnte durch ein paar weitere Eroberungen (Äginas, Zahynthos und andere Inseln, mehrere Küstenorte, Achaia im Norden, Süditalien) die Peloponnes umzingeln. Sie hatten nun ihren Höhepunkt erreicht und hatten eine ungeheure Macht in ihren Händen, jedoch waren ihre Kräfte überspannt.

Der Feldherr Kimon kam aus dem Exil zurück und vereinbarte mit Sparta ein Waffenstillstand für 5 Jahre, um sich dem alten Gegner Persien zu widmen. Doch schon bald darauf starb Kimon und Perikles erzielte ein Arrangement mit den Persern, der Kallias-Friede (449/448 vor Christus).

Perikles versuchte nun das attische Reich zu sichern, sowie den Seebund neu zu ordnen und vereinbarte daher mit Sparta einen 30-jährigen Frieden (446/445 vor Christus). Damit endete der erste Peloponnesische Krieg, der jedoch nur als Vorstufe zum großen zweiten Peloponnesischen Krieg gesehen werden kann. Während des Friedens gab es immer wieder Spannungen zwischen den beiden Mächten, doch kam es vorerst nicht zum offenen Krieg.

Zweiter Peloponnesischer Krieg (431 – 404 vor Christus)

Am Beginn des zweiten Peloponnesischen Krieges spielte die Stadt Korinth eine wichtige Rolle. Korinth war mit den Spartanern verbündet, versuchte dennoch eigene Machtinteressen durchzusetzen. Im Zuge dieser Politik begann Korinth eine eigene Flotte aufzubauen. Nun fühlten sich natürlich die Athener bedroht, die sich darauf mit den Gegnern Korinths (Kerkyra) verbündeten. Korinth wendete sich nun an die Spartaner, die gegen die Athener einschreiten sollten. Ein Handelsverbot der Athener gegen die Stadt Megara, auch mit Sparta verbündet, brachte die Eskalation. Sparta versuchte nun die Expansion der Athener einzudämmen, obwohl König Archidamos II. nicht unbedingt diesen Krieg wollte – im Frühjahr 431 vor Christus begann der Krieg.

1. Phase: Archidamische Krieg (431 ? 421 vor Christus)

Die Spartaner hatten die Sympathien auf ihrer Seite, denn sie zogen mit dem Motto Freiheit und Selbstbestimmung in den Krieg. Doch bald wurde allen klar, dass Sparta ebenfalls eine Ausweitung seiner Macht anstrebte.

Die Taktik Spartas war einfach und effizient. Sie fielen einmal im Jahr in Attika ein und begannen die Felder zu verwüsten, außer 429 vor Christus wegen der Pest in Athen, der Perikles zum Opfer fiel, und 426 vor Christus, als ein Erdbeben den Feldzug verhinderte. Die Athener zogen sich in dieser Zeit hinter die Lange Mauer zurück. Auf der anderen Seite versuchten die Athener mit ihrer Flotte die Spartaner zu zermürben, indem sie die Versorgung erschwerten.

Nach Perikles Tod war der bestimmende Politiker in Athen Kleos, der den Krieg auf Mittelgriechenland und Sizilien (gegen Syrakus) ausweitete. Dies führte zu einem übermäßigen Kräfteaufwand, den sich die Mächte, vor allem Athen, nicht mehr leisten konnte.

2. Phase: Nikias-Friede (421 – 413 vor Christus)

Im Jahr 421 vor Christus wurde der Nikias-Friede auf 50 Jahre geschlossen. Doch innerhalb der Bündnisse herrschte Uneinigkeit über den Vertrag. Die Gegner dieses Vertrages schlossen wiederum unter sich ein Bündnis (Korinth, Argos, Mantineira und einigen andere Städte). Nach einiger Zeit konnten die beiden Großmächte diese Bündnispolitik unterbinden und ihren Anspruch wieder geltend machen.

Der Feldherr Alkibiades brach 415 vor Christus zu seiner Sizilienexpedition auf. Seiner Streitmacht gehörten 134 Tireren und circa 5.000 Hopliten an (später über 32.000 Mann), die in einen Krieg gegen Syrakus ziehen sollten. Nach bescheidenen Erfolgen wurde der Feldherr nach Athen zurückbeordert, doch dieser floh nach Sparta. Die sizilianische Expedition endete nun in einer Katastrophe, von der sich die Athener nicht mehr erholten.

3. Phase: Der dekeleisch-ionische Krieg (414/ 413 – 404 vor Christus)

Sparta erklärte 414 vor Christus, aufgrund von athenischen Übergriffen, den Nikias-Friede für hinfällig. Ihre Offensive begann im Jahr 413 vor Christus und man errichtete einen Stützpunkt in Dekeleia auf attischem Boden (ein Rat von Alkibiades). Man konnte nun militärische Aktionen im gesamten Kernland der Athener durchführen und hatte so die Kontrolle über dieses Gebiet gewonnen. Die Athener waren nun darauf angewiesen von außen versorgt zu werden – dies geschah über Euböa.

Eine weitere Bedrohung sollte auf die Athener zukommen. Sie unterstützten Rebellen in Kleinasien und brachten damit Sparta und Persien enger zusammen. Sparta erkannte die Hoheit der Perser über Kleinasien an und bekam im Gegenzug finanzielle Unterstützung. In Sparta begann man nun mit dem Aufbau einer eigenen Flotte und konnte in der Ägäis einige Erfolge feiern, auch weil der Seebund der Athener zu bröckeln begann.

Unter dem Druck, der auf den Athenern lastete, kam es 411 vor Christus zum Sturz der Demokratie und der Bildung einer Oligarchie. Die blieb jedoch nur ein kurzes Zwischenspiel, denn schon 410 vor Christus kehrte man zur alten Verfassung zurück.

Zeitgleich zu diesem dekeleischen Krieg mussten die Athener den sogenannten ionischen Krieg zur See meistern. Alkibiades hatte nach seiner Rückkehr den Oberbefehl über die athenischen See- und Landstreitkräfte übernommen und war durchaus erfolgreich.

In Sparta hatte sich inzwischen General Lysander etabliert, der auch den Kontakt zu den Persern enger knüpfen konnte. Das persische Reich war nun bereit sehr hohe Geldsummen an die Spartaner zu bezahlen und diese nun bis zum endgültigen Sieg zu unterstützen. Nach Sieg und Niederlage gegen Athen (Schlacht von Notion 407 vor Christus & Schlacht bei den Arginusen 406 vor Christus) kam es zu entscheidenden Schlacht bei Aigospotamoi 405 vor Christus mit Lysander, in der die Athener unterlagen. Im Frühjahr 404 vor Christus war Athen gezwungen zu kapitulieren, das Seereich war zu diesem Zeitpunkt schon zerfallen.

Sparta und die Korinthische Allianz

Nach dem Sieg gegen den alten Widersacher Athen konnten die Spartaner ihren Machtbereich sehr weit ausdehnen. Sie installierten in Athen, wie auch in anderen Städten, eine Oligarchie. Ein solches Verhalten verstimmte zunehmend die eigenen Bündnispartner, so dass sich Boiotien, Korinth und Argos vom ehemaligen Alliierten distanzierten. Es kam zur Auflösung des spartanischen Bündnissystems und auch in Athen wurde wieder die Demokratie eingeführt.

Ab 400 vor Christus lag Sparta im Krieg mit dem persischen Reich in Kleinasien. Die Perser bewegten die anderen griechischen Stadtstaaten dazu sich gegen Sparta zu verbünden und so eine zweite Front aufzubauen. Um 395/394 vor Christus entstand die korinthische Allianz, die Boiotien, Korinth, Argos, Athen und andere kleinere Stadtstaaten umfasste.

Es kam zu einem Konflikt zwischen diesen Machtblöcken und Sparta verlor dadurch seine Vorherrschaft in der Ägäis. An Land tobte unterdessen der korinthische Krieg, von 395 – 386 vor Christus, in der Gegend der gleichnamigen Stadt. Friedensverhandlungen um 392/391 vor Christus scheiterten und der Stellungskrieg spitzte sich zu.

Aus dieser Situation heraus versuchte die Stadt Athen die alten Machtansprüche erneut geltend zu machen. Der Feldherr Thrasybulos konnte für seine Heimat viele Triumphe erringen, bis er 387/386 vor Christus von den Persern, Sparta und Syrakus gestoppt wurde.

Nach der Kapitulation Athens zerbrach auch die korinthische Allianz, durch den massiven Widerstand der mächtigen Gegner.

Der Königsfriede (Zweiter Attischer Seebund & Theben)

Das Ende des Korinthischen Krieges und der Allianz 386 vor Christus führte zu Friedensverhandlungen, deren Ergebnis der Königsfriede war. Kleinasien und Zypern wurden dem persischen Reich eingegliedert und den griechischen Polis auf dem Festland wurde Autonomie zugesprochen. Die Aufsicht über die Einhaltung des Vertrags wurde den Spartanern übertragen. Diese nutzten natürlich diese Chance sofort, um ihren eigenen Einfluss auszubreiten. In vielen Städten verhalfen sie Freunden an die Macht und konnten so ihren Machtanspruch in ganz Griechenland festigen.

Die Athener konnten das nicht tolerieren und sammelten einige Verbündete hinter sich. Im Jahr 378 vor Christus wurde der zweite Attische Seebund gegründet. Dank der Gegebenheiten dieser Zeit kam es zu einer schnellen Ausbreitung dieses Bündnisses.

Athen und die neue Macht Theben begannen eine enge Bindung aufzubauen. Nach der Schlacht in Leuktra (371 vor Christus) gegen die Spartaner stieg Theben sogar zur mächtigsten Stadt Griechenlands auf. Der Peloponnesische Bund löste sich auf, die Thebaner übernahmen die Hegemonie auf der Halbinsel. Die Schöpfer dieses weitreichenden Bündnissystems waren die Politiker Pelopidas und Epameinondas.

Die nun folgende Zeit ist eine Zeit der politischen Wirren. Es gab viele Bürgerkriege und viele Bündnisse, sowie Gegenbündnisse. Die Thebaner konnten 367 vor Christus den persischen Großkönig auf ihre Seite ziehen und damit ihre Position stärken. Auf der andren Seite gewannen die Athener Ariobarzanes, einen persischen Aufständischen, für sich. Der zweite Attische Seebund wurde zunehmend mächtiger, worauf die Thebaner mit einer eigenen Flotte antworteten. Es kam zur Schlacht bei Mantineia, die die Thebaner verloren und darauf brach auch ihr Bündnissystem zusammen (362 vor Christus).

Der Aufstieg Makedoniens

Nachdem die Athener wieder einflussreicher wurden, schlossen sich viele Städte dem aufständischen persischen Satrapen Mausollos II. an. Zwischen den beiden Mächten und ihren Verbündeten kam es 356 – 355 vor Christus zum Krieg. Nach diesem Ereignis verlor die griechische Stadt ihre zentrale Position im Ägäisraum.

Nach den Erfahrungen des letzten Kriegs begannen die attischen Politiker eine zurückhaltende Richtung einzuschlagen. Sie waren darauf bedacht den Status quo beizubehalten und kümmerten sich hauptsächlich um die innenpolitischen Fragen. Eubulos führte die Athener in eine neue Blütezeit und einen ökonomischen Aufschwung. Theben und Sparta trugen ihre Streitigkeiten weiterhin offen aus und es gab viele blutige Konflikte.

Aus dieser Situation heraus wurden die Makedonen im Norden immer einflussreicher und ihr König Philipp II. war bald einer der mächtigsten Männer Griechenlands. Nach dem Dritten Heiligen Krieg war das makedonische Königreich als Vormacht der griechischen Staatenwelt etabliert.

Unter der Führung der Athener schloss sich eine Allianz zusammen, die den Makedonen den Krieg erklärte (Chalkidischer Bund). Diese militärische Gemeinschaft wurde in der Schlacht von Chaivoneira im August 338 vor Christus besiegt.

Daraufhin gründete Philipp II. 337 vor Christus den Korinthischen Bund, dem alle griechischen Polis angehörten. Die Makedonier waren natürlich die wichtigste Macht in dieser Vereinigung. Nachdem diese Hürde überwunden war begannen die Makedonen ihren Rachefeldzug gegen die Perser zu planen, doch Philipp II. verstarb und es lag in der Hand seines Sohnes diese Aufgabe zu bewältigen. Sein Sohn war Alexander der Große.