Das Mittlere Reich Ägyptens

Aufstieg und Niedergang
Die ersten Könige der elften Dynastie gehörten noch zur Zwischenzeit. Erst Mentuhotep II. (2.054 – 1.995 vor Christus) aus Theben gelang es 2.020 vor Christus die beiden Länder wieder zu vereinigen und damit das Mittlere Reich zu gründen. Nach diesem Ereignis begann er sofort mit dem Staatsaufbau und versuchte eine funktionierende Verwaltung zu konsolidieren. In den Bereichen Kunst und Handwerk begann sich ein neuer Anfang anzubahnen. Mentuhotep II. gelang es seine Zentralregierung zu festigen und die Gaufürsten zu kontrollieren. Dies erreichte er vor allem durch das Amt eines “Vorsteher von Unterägypten”, der die Gaufürsten überwachte. Der Pharao führte Kriege gegen Nubien und im Ostdelta. Die Wirtschaft gewann im Zuge dieser Veränderungen wieder an Fahrt und man erreichte eine Verbesserung der Lebensverhältnisse. In der Götterwelt gab es ebenfalls einige Veränderungen. Amun wurde zur zentralen Götterfigur und Theben neues religiöses Zentrum. Sein Sohn Mentuhotep III. (1.995 – 1.983 vor Christus) setzte die Politik seines Vaters fort.

Die zwölfte Dynastie begann damit, dass sich der Vezir Amenemhet (1.976 – 1.947 vor Christus) als Pharao durchsetzte. Der neue Pharao gab Theben als Hauptstadt auf und gründete Amenemhet-Itj-Taui, die zentraler im Land lag. Er schaffte es Ägypten erfolgreich gegen asiatische Eindringlinge zu verteidigen. Dafür richtete er an der Ostgrenze des Landes die Fürstenmauer ein. Nicht nur im Osten, sondern auch im Süden führte er Krieg gegen Nubien. Innenpolitisch hatte er einige Schwierigkeiten, so wird von bürgerkriegsähnlichen Zuständen gesprochen.

Nachdem der Pharao ermordet wurde, wurde sein Sohn Sesostris I. (1.956 – 1.911/10 vor Christus) Herrscher. Pharao Sesostris I. war wohl der bedeutendste König der zwölften Dynastie. Er schaffte es dem Land eine hohe innere Stabilität zu verleihen und erreichte dadurch einen allgemeinen Aufschwung. Er zeigte sich als großer Bauherr, der zum Beispiel die “Weiße Kapelle” in Karnak der Nachwelt hinterließ. Die einzelnen Gaufürsten waren ihrem König gegenüber sehr ergeben. Vor diesem Hintergrund griff der Pharao Nubien an und konnte seine Staatsgrenze bis zum zweiten Katarakt vorziehen. In dieser großen Epoche kam es natürlich auch zu einer Blüte der Künste.

Sein Sohn Amenemhet II. (1.914 – 1.876 vor Christus) übernahm den Thron nach seinem Tod. Er förderte vor allem den Handel und knüpfte Kontakte nach Kreta und zu kleinasiatischen Stadtstaaten. So erreichte er einen wirtschaftlichen Aufschwung und durch diese fremden Einflüsse kam es auch zu einer Blüte der Kunst. Seine Pyramide baute er ganz in der Nähe der Roten Pyramide des Snofus. Desweiteren zählen zu seinen wichtigen Bautätigkeiten auch der Bahr Yusuf (Josephs Kanal) und die Urbarmachung des Fajum.

Pharao Sesostris II. (1.882 – 1.872 vor Christus) der Sohn von Amenemhet II. führt das vorhaben seines Vaters fort und band die Oase Fajum an das Staatsgebiet. Dämme und Kanäle verteilen das Wasser und machten die Landwirtschaft in diesem Gebiet viel effizienter. Auch in der Religion bahnte sich ein Wandel an. Das Leben im Jenseits wurde zunehmend vom Himmel in die Unterwelt verlegt.

Nach seinem Tod folgte ihm Sesostris III. (1.872 – 1.852 vor Christus), sein Sohn, auf den Thron. Dieser beseitigte die Gaufürsten und ersetzte diese durch Beamte, die ihrem Herrn treu ergeben waren. Ein weiteres Mal wurde Krieg gegen das rohstoffreiche Nubien geführt, diesmal mit dem Ziel einer Eingliederung in das Reich. Die erbeuteten Bodenschätze führten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.

Nachdem der Pharao verschied, bestieg sein Sohn Amenemhet III. (1.853 – 1.805 vor Christus) den Pharaonenthron. Er trieb die begonnene landwirtschaftliche Nutzung der Oase Fajum voran und vollendete sie. Viele prachtvolle Bauten, so sein Totentempel, sind bezeichnend für diesen Pharao.

Während der Regierungszeit seines Sohnes Amenemhet IV. (1.807 – 1.797 vor Christus) ging es bergab mit dem Staat. Der Handel ging zurück und es gab wenige Bauvorhaben. Anschließend übernahm seine Schwestergemahlin die Herrscherpflichten und nach ihr endeten die zwölfte Dynastie und das Mittlere Reich.

Die zweite Zwischenzeit
Diese Zwischenzeit reichte von der 13. – 17. Dynastie und dauerte von 1.648 – 1.550 vor Christus. Es folgten viele Pharaonen in kurzen Abständen hintereinander. Auch das nubische Reich eroberte seine alten Gebiete zurück und vom Osten her kamen neue Einwanderer – die Hyksos. Diese beherrschten bald ganz Ägypten und bildeten damit die 15. Dynastie. Ihr politischer Einfluss reichte bis weit in Nubien hinein. Die 16. und 17. Dynastie wurde von Vasallenkönigen gebildet, die ihren Herren verpflichtet waren. Die Hyksos machten Seth zu ihrem Hauptgott und verlegten die Hauptstadt nach Avaris. In Theben und in den Gebieten weiter im Süden war ihr Einfluss jedoch lange nicht so groß, wie im Delta.