Die Spätzeit

Die Spätzeit des antiken Ägyptens ist hauptsächlich durch Verfall, Niedergang und Interventionen anderer Mächte gekennzeichnet.

Der schleichende Verfall des ägyptischen Reichs – Einflüsse aus dem Osten
Im Allgemeinen liegt zwischen der Ramsesidenzeit und der Spätzeit noch die dritte Zwischenzeit, in der der Verfall des traditionellen Pharonentums stattfand. Hier wird bewusst auf diese Einteilung verzichtet, da der Verfall schon viel früher in der Ramsesidenzeit begann und der Einfluss der Mächte von Außen von nun an so groß wurde, dass man ab jetzt bis zur Eingliederung ins Römische Weltreich von der Spätzeit der Ägypter sprechen kann.

Die 22. Dynastie beginnt mit Scheschonk I. (946 – 925 vor Christus), der von einem Lybierstamm aus Bubastis entspross. Er schaffte es eine innere Stabilität zu schaffen und führte Feldzüge nach Palästina und Israel. Nach diesen Kriegen kam es zu einer leichten Erholung der wirtschaftlichen Lage und im Zuge dessen wurden auch wieder größere Bauvorhaben getätigt. Sein Sohn Osorkon I. (925 – 890 vor Christus) schaffte es sogar diese wirtschaftlichen Entwicklungen weiter voran zu treiben.

Doch sein Enkel Osorkon II. (875 – 837 vor Christus) hatte wieder mit einer Verschlechterung der Lage zu kämpfen. Der Süden versuchte sich unter der Führung von Harsiese – einem Hohepriester in Theben – vom Reich zu lösen. Der König verhielt sich zunächst ruhig, dafür konnte er seine Stellung nach dem Tod des Hohepriesters wieder zurückgewinnen. In der folgenden Zeit kam es zudem noch zu einer anderen Bedrohung aus dem Nahen Osten. Die Assyrer waren in Syrien und Palästina eingefallen und versuchten zu expandieren. Nur durch ein Bündnis Ägyptens mit anderen Völkern im Nahen Osten konnte eine ein weiteres Vordringen dieser expansiven Macht verhindert werden.

Im Verlauf der weiteren Jahrzehnte kam es immer wieder zu Machtkämpfen in deren Folge das Reich auseinanderbrach. Zeitweise herrschten auf ägyptischem Gebiet bis zu fünf Könige nebeneinander. So kam es in Mittelägypten zur 23. Dynastie und im Delta zur 24. Dynastie.

Die Nubier konnten ihre Herrschaft über viele Teile des antiken Ägyptens ausweiten und der nubische König Pije (746 – 715/13 vor Christus) konnte sogar Memphis besetzten und zwang den Norden zum Aufgeben. Nach seinem Tod ließ sich Pije außerdem eine Pyramide als Grab bauen.

Sein Nachfolger und Bruder Schabaka (715/13 – 700/698 vor Christus) sowie seine Thronfolger Schebitko (700/698 – 690 vor Christus) und Tarhaqua (690/664 vor Christus) waren stets mit der Eindämmung der assyrischen Expansionsbemühungen beschäftigt. Sie schlossen Allianzen mit Syrien und Palästina, dennoch konnten sie eine Invasion nicht abwenden. Nur die Tatsache, dass im assyrischen Heer eine Seuche ausbrach konnte die militärische Niederlage verhindern.

Nach einiger Zeit versuchten die Assyrer einen erneuten Angriff mit einer gewaltigen Armee und konnten schon nach kurzem Memphis einnehmen. Tarhaqua konnte dem Ansturm entkommen und floh nach Süden. Nachdem die Assyrer abgezogen waren, kehrte er zurück und konnte seine Herrschaft wieder behaupten. Dies hatte natürlich einen weiteren Angriff der Assyrer zur Folge, die dies nicht dulden konnten.

Der Assyrerkönig Assurbanipal konnte sein Reich bis nach Theben ausdehnen. Nach seinem Abzug Richtung Heimat brach ein erneuter Aufstand los, den die Assyrer brutal beseitigten. Taharque bestimmte seinen Neffen Tanutamun (664/665 vor Christus) zum Nachfolger, der letzte Herrscher der nubischen 25. Dynastie.

Es folgte Psammetich I. (672 – 664 vor Christus), Sohn des assyrischen Statthalters von Ägypten, als der Begründer der 26. Dynastie. Ihm gelang es eine starke Armee aufzubauen und als es zu Machtkämpfen in Assyrien kam, konnte sich der junge Herrscher von den Assyrern befreien. Es folgten ein wirtschaftlicher Aufschwung und eine kulturelle Blüte. An den Grenzen wurde das Reich erneut unter Druck gesetzt und die Ägypter verbündeten sich mit den Assyrern, um diese als Puffer zwischen ihnen und Babylonien zu erhalten. Im Jahre 612 vor Christus ging das assyrische Reich endgültig unter.

Sein Nachfolger Necho II. (610 – 595 vor Christus) musste Krieg gegen die Babylonier führen und wurde weit zurückgedrängt. Er forcierte auch den Aufbau einer ägyptischen Seestreitmacht.

Der Sohn des Necho II. Psammetich II. (595 – 589 vor Christus) verfolgte eine aggressive Politik gegenüber Nubien und konnte weite Teile erobern.

Sein Thronfolger Apries (589 – 570 vor Christus) hatte während seiner Regierungszeit kein Glück. Er erlitt militärische Niederlagen gegen die Babylonier und die Griechen. Danach setzte ihn das Militär ab und ihr General Amasis wurde neuer König. Als die Babylonier Ägypten einnahmen, befreiten sie Apries, der wenig später im Kampf gegen Amasis fiel.

Unter Amasis (570 – 526 vor Christus) kam es zu regen Handelstätigkeiten mit anderen Ländern, was zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führte. Zudem wurden viele Verträge mit den Griechen geschlossen, die nötig waren um die entstehende Großmacht Persien unter Kontrolle zu halten.

Der nächste Herrscher Psammetich III. (526 – 525 vor Christus) musste gegen die Perser vorgehen und wurde nach der Niederlage hingerichtet.

Die erste Perserzeit
Nun begann die persische 27. Dynastie unter Kambyses (525 – 522 vor Christus), der Ägypten in das persische Großreich eingliederte und zur 6. Satrapie machte. Sein Erbe Darius I. herrschte über Ägypten von 522 – 486 vor Christus, doch kam er nur im Jahre 518 vor Christus nach Ägypten zu Besuch. In der Zeit seiner Abwesenheit ließ er sich von einem Statthalter vertreten. Bemerkenswert sind seine Bemühungen die alten Bauwerke zu restaurieren und so die ägyptische Kultur zu bewahren. Eine technisch besonders anspruchsvollen Plan sollte in dieser Zeit verwirklicht werden. Ein Kanal vom Nil zum Roten Meer, der jedoch einige Jahre später versandete. Nachdem die Perser gegen die Griechen in der Schlacht bei Marathon verloren, witterten die Ägypter die Chance auf Freiheit – und probten den Aufstand.

Xerxes I. (486 – 465 vor Christus), der Thronfolger von Darius I., schlug diese Rebellion brutal nieder. Es ist hauptsächlich seine Schuld, dass die Perser zunehmend verhasster wurden. So kam es unter Antaxerxes I. (465 – 424 vor Chritus) erneut zu einem Aufstand, der die Armee auf den Plan rief. Nach diesem Ereignis kehrte vorerst Ruhe ein, doch unter Darius II. (423 – 405 vor Christus) kam es noch einmal zu Aufständen, die den Ägyptern in vielen Gebieten Teilautonomie brachte.

Der letzte Herrscher der persischen 27. Dynastie Antaxerxes II. konnte seinen Anspruch nicht in ganz Ägypten durchsetzten und musste dem Enkel eines Stadtfürsten Amyrtaios aus Sais (404/401 – 399) weichen. Er war der einzige Pharao der 28. Dynastie und wurde von seinem Nachfolger Nepherites I. aus Mendes (399 – 393) ermordet. Von ihm ist bekannt, dass er die Spartaner im Krieg gegen die Perser unterstützte. Ebenso sind uns Bautätigkeiten von ihm erhalten geblieben. Nach seinem Tod kam es zu Thronstreitigkeiten, bei denen sich Hakor (393 – 380 vor Christus) durchsetzten konnte. Hakor führte die Münzprägung ein und baute ein Söldnerheer, sowie eine Kriegsflotte, auf. Außenpolitisch schloss er einige Verträge mit den Griechen, zum Beispiel mit Athen 389 vor Christus. Militärisch musste er vor allem im Delta gegen die Perser aktiv werden, um diese Grenze zu sichern. Im Inneren bemühte er sich vor allem um die Restauration von alten Bauwerken. Sein Sohn Nepherites II. (380 vor Christus) wurde schon nach einigen Monaten verdrängt und damit ging die 29. Dynastie zu Ende.

Die 30. Dynastie
Der neue König und frühere General Nektanebos I. (380 – 362 vor Christus) setzte seinen Vorgänger Nepherites II. schon nach einigen Monaten Regierungszeit ab und konnte sein Land erfolgreich gegen Überfälle des persischen Reiches verteidigen. Für das ägyptische Reich kam es zu einer späten kulturellen und architektonischen Blüte.

Nach seinem Tod folgte ihm sein Sohn Djedhor (Teos / 364/362 – 360 vor Christus), der ein Bündnis mit den Spartanern schloss und auch die Athener im Kampf gegen Persien unterstützte. Da Persien unter schweren inneren Problemen litt, beschloss der König Syrien und Palästina zurück zu erobern – der erste große Angriff auf Persien. In der Zeit seiner Abwesenheit konnte der Statthalter, der auch sein Bruder Tjajapimu war, seinen Sohn Nektanebos II. als Pharao durchsetzten. Djedhor fand nun Asyl am Hof des persischen Großkönigs.

Nektanebos II. (360 – 342 vor Christus) war der letzte Herrscher der 30. Dynastie und damit der letzte ägyptische Herrscher des antiken Ägyptens. Während seiner Regierungszeit versuchten die Perser ihre Vormachtstellung wiederherzustellen, doch ein erster Versuch Ägypten zu erobern scheiterte. Besonders bekannt wurde dieser Pharao durch seine ausgedehnten Bauunternehmen und Restaurationen.

Die zweite Perserzeit
Dem persischen Großkönig Antaxerxes III. Ochos (342 – 338 vor Christus) gelang es ganz Ägypten zu unterwerfen und damit wurde die zweite persische Ära in Ägypten eingeleitet (31. Dynastie). Seine Nachfolger Arses (338 – 336 vor Christus) und Darius III. (336 – 332 vor Christus) konnten Ägypten einige Zeit halten, doch unter letzterem Großkönig sollte eine neue Epoche beginnen. Persien selbst geriet zunehmend unter Druck. Eine der wohl bedeutendsten Persönlichkeiten der abendländischen Geschichte versetzte diesem Großreich einen vernichtenden Schlag – Alexander der Große.