Die Ramsesidenzeit

Die Ramsesidenzeit ist eigentlich ein Teil des Neuen Reichs, doch wird sie oft als eigenständige Zeit behandelt, da mit der Inthronisierung Ramses I. eine neue Epoche begann, die als die letzte große Zeit des antiken Ägyptens bezeichnet werden kann. Nach dieser Zeit kam es zu einem schleichenden Verfall in Ägypten und man wurde zunehmend Spielball anderer großer Mächte.

Konsolidierung der Ramsesiden
Nach dem kometenhaften Aufstieg des Paramses (geboren um 1.360 vor Christus) in der Armee gelangte er sehr schnell in das Umfeld des Pharaos Haremhab, der ihn schließlich zu seinem Erbprinzen und Vertreter ernannte.

Nachdem Haremhab verstarb übernahm sein Nachfolger die Amtsgeschäfte, ab nun nannte er sich Ramses I. (1.292 – 1.290 vor Christus). Der Sohn, Sethos I., des neuen Pharaos übernahm mit der Beförderung seines Vaters dessen Ämter und damit begründeten er die 19. Dynastie – ein neues Zeitalter.

Als Sethos I. (1.290 – 1.279 vor Christus) Pharao wurde verschärfte er die Verfolgung Echnatons und dessen Kult. Er wollte eine “Erneuerung der Schöpfung”. Die Bewunderung für seinen Vater kannte keine Grenzen, ihm hat der Sohn viele Bauwerke gewidmet. Sein eigenes Grab ließ er im “Tal der Könige” anlegen und baute sich dort einen imposanten Palast. Auf militärischem Gebiet zeigte sich dieser Herrscher sehr erfolgreich. Er führte einen Feldzug nach Asien, der ihn weit ins Landesinnere brachte, sowie ein Feldzug gegen Nubien. Die Ausdehnung des Landes reichte nun so weit wie nie zuvor.

Pharao Ramses II.
Ihm folgte wohl der wichtigste Herrscher den Ägypten je hatte. Sein Sohn Ramses II. (1.279 – 1.213 vor Christus) übernahm das Zepter und führte die ägyptische Kultur zu neuen Höhen. Er war um die 20 Jahre bei seiner Thronbesteigung und hatte viele Söhne und Töchter. Seine Bautätigkeiten zählen noch heute zu den eindrucksvollsten der Geschichte, so zum Beispiel der Tempel in Abydos, Obelisken in Heliopolis, Tempelarbeiten in Karnak, Luxor und viele weitere Bauten. Eines der eindrucksvollsten Gebäude ist die Tempelanlage Abu Simbel. Auch auf dem Schlachtfeld konnte sich Ramses II. fast immer behaupten. Er führte erfolgreiche Feldzüge gegen die Hethiter und die Nubier. Bei einer Schlacht um die Stadt Kadesch gegen die Hethiter musste er sich jedoch geschlagen geben und wurde zum Rückzug gezwungen. Viele andere Städte nutzten jetzt die Gunst der Stunde und versuchten sich von den Ägyptern zu befreien. Ramses II. konnte das nicht hinnehmen und so musste er ein weiteres Mal in den Krieg ziehen. Kurz zuvor war der Hethiterkönig gestorben, weswegen es in diesem Reich Machtstreitigkeiten gab und Ramses sehr weit vorrücken konnte. Von einem weiteren Aufstand in Nubien wird berichtet, den Ramses zwischen seinem 15. und 20. Regierungsjahr niederschlagen musste.

Eine politisch besonders wichtige Entwicklung gab es zwischen Ramses und den Hethitern. Es wurde ein Friedensvertrag zwischen diesen Parteien geschlossen, der Einklang und gegenseitige Hilfe sichern sollte. Nicht nur dieser Vertag brachte eine Annäherung der beiden Herrscherhäuser auch viele weitere Banden (Heirat, et cetera) wurden geknüpft. Auf Grund dieses Friedens und der damit einhergehenden Stabilität kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der den Land enorme Reichtümer bescheren sollte.

Nach 66 Jahren Regierungsdauer starb Ramses II. und wurde im “Tal der Könige” beigesetzt. Durch sein langes Leben hat er den Staat mehr geprägt, als alle anderen Pharaonen vor ihm.

Der Niedergang Ägyptens
Sein 13. Sohn Merenptha (1.213 – 1.203 vor Christus) wurde sein Nachfolger und neuer Pharao. Während dieser Regierungszeit bahnte sich ein großes Problem an, von dem sich das alte Ägypten nie wieder erholen sollte. Bei den Hethitern kam es zu einer schweren Hungersnot. Durch den Friedensvertrag waren die Ägypter verpflichtet ihnen eine Versorgung zukommen zu lassen. Desweiteren mussten Unruhen in Palästina und Nubien niedergeschlagen werden. An einer anderen Front bahnte sich jedoch eine weitere große Bedrohung für das ägyptische Reich an. Einwandernde Seevölker aus dem Balkan, der Ägäis und Kleinasien setzten die Ägypter unter Druck. Die Hethiter konnten diesem Ansturm nicht standhalten und ihr Reich ging unter. Die Ägypter konnten durch viele Feldzüge den Niedergang ihres Reiches verhindern, doch ließen sich Beeinträchtigungen für das eigene Volk nicht mehr verhindern. Im Zuge dieser Entwicklungen begannen die Getreidepreise zu steigen, was einen wirtschaftlichen Rückgang zur Folge hatte. Trotz all dieser Widrigkeiten gab es kleinere Bautätigkeiten im Land und Pharao Merenptha ließ sich ein Grab im “Tal der Könige” anlegen, indem er nach seinem Tod beigesetzt wurde. Später hat man auch ihn in Sicherheit in das Grab des Amenophis II. gebracht.

Nach einigen Thronstreitigkeiten konnte sich der Kronprinz Sethos II. (1.200 – 1.194 vor Christus) durchsetzten. Politisch war dieser Pharao eher unscheinbar und auch in Kunst und Kultur wurde uns wenig hinterlassen. Sein Gab befindet sich ebenfalls im “Tal der Könige”.

Sein Sohn und Nachfolger Siptha (1.194 – 1.188 vor Christus) war bei der Thronbesteigung erst 14 Jahre alt. In den Anfangsjahren übte die Königsgemahlin Tausret (1.194 – 1.186 vor Christus) die eigentliche Macht aus, die aber von vielen mächtigen Männern (Kanzler, Schatzmeister, et cetera) umstellt war. Der junge Pharao litt zudem an Kinderlähmung und verstarb schon nach wenigen Jahren. Nachdem man ihn im “Tal der Könige” beigesetzt hatte, begann Tausret die Macht an sich zu reißen. Die Lage in Ägypten verschlechterte sich zunehmend, bis alles letztendlich im Chaos endete. Die 19. Dynastie ging nun zusammen mit der Königin unter.

Nun kam es zu Streitigkeiten zwischen Sethnacht und Tausret, bei denen die alte Königin ihr Leben verlor. Sethnacht (1.186 – 1.183 vor Christus) gelangte auf den Thron und ließ sich als neuer Herrscher ausrufen. Seine Legitimation erhielt er vom Sonnengott persönlich. Damit ist er der Begründer der 20. Dynastie und auch er wurde im “Tal der Könige” bestattet. In der folgenden Zeit herrschten neun Ramses nacheinander von 1.183 – 1.070/69 vor Christus. Es war eine Zeit in der die Ägypter dem Druck von außen immer mehr standhalten mussten. Das hatte natürlich wirtschaftliche Folgen, die zu einem stetigen Verfall des Landes führten. Immer öfter kam es zu Grabräubereien und Arbeiterstreiks. Die Kriminalitätsrate stieg in der Regierungszeit Ramses IV. (1.152 – 1.145 vor Christus) beträchtlich. Sein Nachfolger musste die Ostgrenze bis zum Delta zurücknehmen und auch der Druck an der Westgrenze wuchs weiter. Die wirtschaftliche Situation begann nun immer mehr zu einer handfesten Krise auszuwachsen und es kam zu Plünderungen der Gräber im Tal der Könige.

Ab Ramses X. (1.107 – 1.103 vor Christus) wurden keine Pharaonen mehr im traditionsreichen “Tal der Könige” bestattet, sondern in Piramesse. Der letzte Herrscher der Ramsesidenzeit und der 20. Dynastie war Ramses XI., der nur noch als “Verwalter des Elends” eingesetzt wurde. Die schlechte ökonomische Lage gipfelte jetzt in einer Katastrophe und in Ägypten kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen.