Die Frühzeit Ägyptens

Vorgeschichte
Bereits in der Jungsteinzeit gab es zahlreiche Siedlungen im Nildelta, die der Merimdekultur zugerechnet werden. Die Menschen lebten als Fischer, Jäger und Sammler, aber auch sesshafte Bauern ließen sich unter ihnen finden. Ihre Behausungen bestanden aus Rohrgeflecht; Keramik sowie Steinwerkzeuge waren hier bekannt. Kornspeicher für Getreide wurden schon in dieser frühen Epoche gefunden. Etwas später tauchen dann die ersten Kunstgegenstände auf, diese werden als Negadekultur bezeichnet. Die Negadekultur gilt als Vorläufer der späteren ägyptischen Kultur und ist etwa 4.000 vor Christus entstandnen, darunter erste Kupferperlen. In Oberägypten, also im Süden, bestand die Bevölkerung hauptsächlich aus Viehzüchtern und Hirten. Auf diese frühen Gesellschaften wirkten früh Einflüsse aus dem Osten ein.

Hier begann, wie in vielen Gebieten der Erde, eine soziale Differenzierung, bei der sich erste kleine Herrscher heraushoben. Diese frühen Herrscher wurden meist mit Tiernamen bezeichnet. Die kleinen Königreiche bildeten eine lose Gemeinschaft. Im Norden schafften die unterägyptischen Königreiche ein loses Bündnis, dessen Zentrum in Buto im Nildelta entstand. Die südlichen Königreiche formten Oberägypten mit einem Zentrum in Hierakonpolis. Einer der frühesten Könige war der Skorpionkönig vor 3.150 Jahren vor Christus. Sein Grab wurde in Abydos angelegt und dort fand man zudem ein paar der ältesten Inschriften Ägyptens.

Die Reichseinigung
Von 3.150 – 3.000 vor Christus dauerte die protodynastische Zeit, die als Dynastie 0 bezeichnet wird. In ihr regierten einige Könige, doch erst dem Letzten – König Narmer – gelang es sich eine Schlüsselposition durch militärische Erfolge zu sichern. Er konnte die beiden ägyptischen Reiche vereinen und war damit der erste Pharao der Ägypter.

Sein Sohn Meni (auch Aha / 2.982 – 2.950 vor Christus) erreichte es dann letztendlich die beiden Reiche Ober- und Unterägypten enger zusammenzuführen und deshalb wurde er zum Begründer der ersten Dynastie. In den alten Königslisten gilt Meni als der eigentliche Reichsgründer. Die Reichseinigung war für damalige Verhältnisse ein wirklich beeindruckendes Vorhaben. Der Staat wurde in Gaue eingeteilt, die von Beamten verwaltet wurden. Wichtige Faktoren für diesen Zusammenschluss waren die Einführung von einheitlichen Maßen und Gewichten, sowie eines neuen Kalenders. Pharao Meni trug von nun an als Zeichen seiner Herrschaft die weiße Krone Oberägyptens und die rote Krone Unterägyptens. Damit war der erste Territorialstaat der Erde geboren. Diese Veränderungen führten zu einem Aufschwung in Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Memphis wurde als Residenzstadt des Pharaos gegründet – eine Stadt, die genau an der Nahtstelle zwischen den beiden alten Reichen lag. Die Hieroglyphenschrift wurde weiter entwickelt, um die enormen Verwaltungsaufgaben zu bewältigen und den Handel zu gewährleisten. Obwohl der Pharao eine Residenzstadt hatte, war er oft unterwegs, um Recht zu sprechen oder kultische Aufgaben zu erledigen. Der Totenkult war in Ägypten besonders ausgeprägt. So ließen sich die Herrscher schon während ihres Lebens Gräber von enormen Ausmaßen bauen. Wenn ein Herrscher der ersten Dynastie starb, dann bedeutete das für die Diener und Harimsfrauen auch den Tod.

Pharao Menis Nachfolger wurde sein Sohn Pharao Djer (2.949 – 2.902 vor Christus), dem es gelang das neue Staateswesen noch weiter zu konsolidieren. Er baute sich ein prachtvolles Grab in Abydos, das das größte Grab der ersten Dynastie sein sollte. Zum Hauptteil der Stätte gehörten 300 Nebengräber für Bedienstete und Frauen.

Auf ihn folgte sein Sohn Pharao Wadji (2.902-2.889 vor Christus) – König Schlange. Über sein politisches Werken ist wenig bekannt, doch hat man in Abydos sein Grab gefunden.

Pharao Den (2.889 – 2.842 vor Christus) folgte auf den Thron seines Vaters und wurde wegen seines jungen Alters von seiner Mutter Meritneith vertreten. Nach ihrem Tod erhielt sie eine Grabstätte in Abydos, die denen der früheren Könige glich. Unter Wadji kam es zu einer kulturellen Blüte der ersten Dynastie. Er führte auch erste militärische Feldzüge in Palästina und auf der Sinai-Halbinsel an; desweiteren fand unter ihm eine Reform der staatlichen Verwaltung statt, sowie andere ökonomische Umgestaltungen.

In den folgenden Jahren (2.842 – 2.803 vor Christus) herrschten noch drei weitere Pharaonen. Diese Zeit war jedoch geprägt von Machtkämpfen und Streitigkeiten und stellt damit das Ende der ersten Dynastie dar.

Die zweite Dynastie dauerte von 2.803 – 2.707 vor Christus. Der politische und kulturelle Schwerpunkt verlagerte sich zunehmend in Richtung Norden nach Unterägypten. Es wurden auch keine Königsgräber mehr in Abydos angelegt und das grausame Ritual der Frauen- und Dienerbestattung wurde aufgegeben. Zunehmende Konflikte innerhalb des Staates bewirkten eine Teilung Ägyptens. Im Süden etablierten sich die Peribsen (fünf aufeinander folgende Pharaonen) und im Norden konnten sich die Horuskönige festsetzen.

Pharao Horus-Seth Chasechemui (2.734 – 2.707 vor Christus) stellte als letzter Pharao der zweiten Dynastie die staatliche Einigkeit wieder her und legte damit die Grundlage für das berühmte Alte Reich der Ägypter.