Das Neue Reich

Das Neue Reich im Alten Ägypten dauerte von circa 1.532 – 1.070 vor Christus und umfasst die 18. bis 20. Dynastie. Es ist wohl die heute bekannteste Epoche der ägyptischen Geschichte, in der berühmte Pharaonen, wie Echnaton, Tutanchamun und Ramses II. herrschten.

Aufstieg und Blüte des Neuen Reichs
Ahmose (1.550 – 1.525 vor Christus) aus Theben war ein Angehöriger der 17. Dynastie. Er wollte die Fremdherrschaft der Hyksos nicht länger hinnehmen und konnte sich von ihnen befreien. Er wurde später an die Spitze dieser neuen Epoche gesetzt und wurde so zum Begründer der 18. Dynastie. Es war die beste Zeit sich von der Fremdherrschaft zu entledigen, da diese sich auf der anderen Seite in einen Krieg mit den Hethitern verwickeln ließen und folglich an zwei Fronten kämpfen mussten. Nachdem Ahmose die Befreiung erfolgreich hinter sich gebracht hatte, begann er Nubien an sich zu binden. Auch hier hatte er Erfolg und konnte die Kontrolle über dieses Land gewinnen. Dies geschah vor allem durch die Einführung des Amtes “Königssohn von Kusch”. Abermals wurde Theben Hauptstadt Ägyptens. Desweiteren schuf er das Amt der “Gottesgemahlin des Amun”, was zu einer weiteren Legitimation für den Pharaonenthron werden sollte. Für diese Position hatte er natürlich seine Frau auserkoren. Als nächsten Schritt versuchte er die Ordnung im Land wiederherzustellen und eine funktionierende Verwaltung aufzubauen. Sein weiteres politisches Leben war von einer kulturellen Restauration des Landes gekennzeichnet, doch wurde ab nun auf Pyramiden als Gräber verzichtet.

Ihm folgte sein Sohn Amenophis I. (1.525 ? 1.504 vor Christus) auf den Pharonenthron. Dieser versuchte sich an der vollständigen Wiedereroberung Nubiens. Im Inneren begann er mit dem Aufbau einer effizienteren Verwaltung, was zu einem enormen Aufschwung in Wissenschaft und Kunst führte. Unter ihm wurde auch Ineni neuer Architekt am Hof, der später das “Tal der Könige” anlegen sollte. Außerdem hatten die Medizin und Literatur Fortschritte zu verzeichnen und pompöse Bautätigkeiten waren sehr verbreitet, zum Beispiel der Amuntempel in Karnak.

Nachdem Amenophis I. verstarb wurde Thutmosis I. (1.504 ? 1.492 vor Christus) Pharao. Er war kein Sohn seines Vorgängers, sondern kam vermutlich durch Heirat zu diesem Amt. Außenpolitisch war er sehr aktiv, so musste er einen Aufstand in Nubien niederschlagen und konnte so sein Reich sehr weit in den Süden ausdehnen. Desweiteren führte er Krieg in Kleinasien gegen das Mitannireich, welchen er gewann. Sein Grab ist auch das erste im “Tal der Könige” und bildet so den Auftakt zu einer sehr langen Tradition.

Sein Nachfolger Thutmosis II. (1.492 ? 1.479 vor Christus) stand nun an der Spitze eines Großreichs, das er zusammenhalten musste. So kam es erneut zu einem Krieg in Nubien, sowie in Palästina und Syrien. Nach seinem Tod wurde er im ?Tal der Könige? bestattet und der Sohn einer Nebenfrau trat das Erbe an.

Pharao Thutmosis III. (1.479 ? 1.425 vor Christus) war noch ein Kind als er dieses Amt antrat. Zu Beginn übernahm die Königsgemahlin Hatschepsut (1.479 ? 1.458 vor Christus) die Regierungsaufgaben und ließ sich später sogar zum Pharao küren. Folglich herrschten zu diesem Zeitpunkt zwei Könige, von denen Hatschepsut die hauptsächliche Macht in sich konzentrierte. Mit politischem Scharfsinn schaffte sie es hörige Gefolgsleute in wichtige Positionen zu bringen und so ihre Herrschaft zu konsolidieren. Eine rege Handelstätigkeit bildete sich aus und mehrere Feldzüge gegen Nubien und Palästina wurden geführt. Der inzwischen erwachsene Thutmosis III. war nun Oberbefehlshaber der Armee und konnte sich nach dem Tod Hatschepsuts als Alleinherrscher etablieren. Später wurde damit begonnen die Königin aus den Pharaonenlisten zu entfernen, sowie ihre Obelisken einzumauern und ihre Statuen zu zerstören. Pharao Thutmosis III. wurde gezwungen sich gegen 330 verbündete Stadtfürsten aus Syrien und Palästina zu wehren, die von der Stadt Kadesch angeführt wurden. Geradeso kam es zu einer Entscheidungsschlacht zwischen den beiden Armeen, die der Pharao für sich entscheiden konnte. In den folgenden Jahren führte er mehrere kleine militärische Aktionen in Palästina und einen großen Feldzug gegen das Mitannireich, welcher zu einem großen Erfolg für Ägypten werden sollte. Nubien bleib nicht vom Expansionswillen des Pharaos verschont und die Südgrenze wurde so weit vorgeschoben wie noch nie. Diese vielen Erfolge führten natürlich zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und brachten große Reichtümer ins Land. Die Stellung des Gottes Amun wurde weiter gefestigt und viele Bauwerke geschaffen. Einige Obelisken dieser glorreichen Zeit stehen heute in Metropolen wie Rom, New York, London und Istanbul. Nach seinem Tod wurde Pharao Thutmosis III. im ?Tal der Könige? beigesetzt und diente lange Zeit als Inspiration für Legenden und Sagen.

Von seinem Sohn und Nachfolger Amenophis II. (1.428 ? 1.397 vor Christus) ist bekannt, dass er ein herausragender Sportler war, der sich in Memphis in die Kunst des Krieges einweisen ließ. Es überrascht daher nicht, dass der Beginn seiner Regierungszeit mit vielen Feldzügen verknüpft war. Darauf folgte jedoch eine Zeit des Friedens in der es zu einer Blüte in Kunst und Kultur kam, zu der eine rege Bautätigkeit gerechnet werden kann. Auch er wurde nach seinem Tod im ?Tal der Könige? beigesetzt.

Sein Sohn Thutmosis IV. (1397 – 1388) trat die Nachfolge an und gilt eher als Pragmatiker und Diplomat. Es gelang ihm einen Friedensvertrag mit dem Mitannireich abzuschließen, der die Hethiter einschränken sollte. Nach seinem Tod wurde er in seinem Grab im “Tal der Könige” beigesetzt, doch wurde er wenig später vor Grabräubern in Sicherheit gebracht und in das Grab des Amenophis II. verlegt.

Pharao Amenophis III., sein Sohn und Nachfolger, gelangte als Kind auf den Thron und wurde zunächst von seiner Mutter vertreten. An den Grenzen kam es zu keinen größeren Zwischenfällen, nur ein Aufstand in Nubien erforderte militärisches Eingreifen. Nachdem der Pharao in der Lage war die Amtsgeschäfte selbst zu übernehmen, erwies er sich als der gleiche geschickte Diplomat wie seine direkten Vorgänger. Er sicherte dem alten Ägypten eine Zeit des Wohlstands und des Friedens. Es kam zu vielen Verbindungen mit anderen Herrscherhäusern. Als seine Gemahlin hatte er allerdings eine Bürgerliche auserkoren, was für diese Zeit einmalig war. Besonders beeindruckend sind seine Bautätigkeiten, die jene seiner Vorgänger in den Schatten stellten. In der Theologie lassen sich erste Ansätze eines Monotheismus erkennen, die später zu einer beeindruckenden Revolution führen sollten. Das Leben Amenophis III. ging zu Ende und so wurde er im Westtal, in der Nähe des “Tals der Könige”, begraben. Um ihn vor Grabräubern zu schützen, wurde er ebenfalls in das Grab des Amenophis II. umgelegt.

Echnaton und seine religiöse Revolution
Sein Sohn und Nachfolger ist wohl einer der bekanntesten Pharaonen Ägyptens. Geboren wurde er als Amenophis IV. (1.351 – 1.334 vor Christus), doch später ließ er sich in Echnaton umbenennen. Über sein Leben vor seiner Krönung wissen wir nur sehr wenig. Bekannt ist nur, dass er kein Kind mehr war als er den Thron bestieg. Die ersten Jahre seiner Regierungszeit verbrachte er in Theben an der Seite seiner Königsgemahlin Nofretete. Der große Wandel vollzog sich erst in seinem dritten Regierungsjahr, als alle Götter abgeschafft wurden und an ihre Stelle der allmächtige Aton trat. Auf einmal herrschte im Himmel nur noch ein Gott, um den sich ein Sonnenkult aufbaute. Das Volk hatte keine andere Wahl, als diesen neuen Glauben anzunehmen, doch wurden die alten Traditionen heimlich fortgeführt. Dieser erste Monotheismus war für die damalige Zeit eine gewaltige gesellschaftliche Umwälzung. Der Pharao hatte in diesem neuen System die Stellung eines Propheten des neuen Gottes inne. Ein Tempel wurde für den neuen Gott errichtet, der flächenmäßig das größte Bauwerk des alten Ägyptens sein sollte. Im Zuge dieser Veränderungen kam es zu einem Bruch mit der alten Beamtenschaft, die daraufhin ausgewechselt wurde. Nofretete, die Hauptfrau des Pharaos, konnte sich gleichberechtigt neben ihrem Gemahl behaupten. Im sechsten Regierungsjahr wurde die Hauptstadt Theben aufgegeben und verlegt nach Achet-Aton. Eine Stadt, die von Amenophis IV. gegründet wurde und dem Kult um Aton dienen sollte. Darauf folgte auch die Namensänderung des Pharaos in Echnaton, was soviel bedeutet wie “der Aton nützlich ist”. Die weitere Regierungszeit Echnatons ist geprägt von seinem Willen diese neue Religion weiter durchzusetzen und einen Gottesstaat zu schaffen. Im Zentrum dieser Theologie stand die Liebe (Aton liebt alle Menschen), was alle Menschen weltweit und nicht nur die Ägypter mit einschließt. Ab dem 13. Regierungsjahr taucht Nofretete nicht mehr in den Hieroglyphen auf, was nahe legt, dass sie um diese Zeit verstarb. Seine Nebenfrau Kija betrat nun die politische Bühne. Kurz darauf verstarb Echnaton, ohne einen Sohn gezeugt zu haben und wurde in seiner Stadt Achet-Aton beigesetzt.

Semenchkare (1.337 – 1.333 vor Christus) heiratete Meritaton und wurde Pharao. Die verwandtschaftlichen Verhältnisse von Semenchkare sind nicht restlos geklärt und viele Forscher nehmen an, dass es sich hier eventuell um Nofretete handeln könnte. Dieser Pharao begann sehr bald mit der Wiederannäherung an Theben und den Gott Amun. Er verstarb recht schnell und wurde im “Tal der Könige” beigesetzt.

Tutanchamun – ein Pharao für die Ewigkeit
Wie sein Nachfolger mit dem Herrscherhaus verwandt war ist noch ungeklärt. Pharao Tutanchaton (1.333 – 1.323 vor Christus), später Tutanchamun, bestieg noch als Kind den Thron. Es war eine Zeit, die von der Politik einer Annährung an den alten Glauben geprägt war, doch Aton wurde nicht völlig aufgegeben. Da Tutanchamun noch nicht erwachsen war, übernahmen zwei andere Personen das politische Tagesgeschäft. Auf der einen Seite stand Haremhab, der Befehlshaber der Armee und auf der anderen Aja, der Vezir. Überraschend verstarb Tutanchamun mit 18 Jahren und beendete damit kinderlos die 18. Dynastie. Auch er erhielt ein Grab im “Tal der Könige”, das später weltberühmt werden sollte. Seine genaue Todesursache ist noch nicht geklärt und verschiedene Szenarien werden angenommen (Seuche / Kopfverletzung).

Nach seinem Ableben kam es in Ägypten zu sogenannten Dahamunzu Affäre. Die junge Frau des verstorben Pharaos Anchesenamun (Anchesenpataton) sandte einen Brief an den Hethiterkönig Suppiluliuma I., um ihn um einen seiner Söhne zu bitten. Er sollte ihr Gemahl und damit an ihrer Seite der neue Pharao werden. Natürlich gab es etliche Gegner dieser Verbindung und auch der Hethiterkönig stand dem skeptisch gegenüber. Nach reiflicher Überlegung schickte er einen seiner Söhne los nach Ägypten, der auf dem Weg dorthin einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Aufgrund dieses Zwischenfalls kam es zu einem Krieg zwischen den Hethitern und Ägypten, bei dem Letztere ihre Vormachtstellung in der alten Welt einbüßte.

Aja und Haremhab – Restauration und Aufstieg der Ramsesiden
Nach dem Tod des Pharaos gelang es dem Vezir Aja (1.323 – 1.319 vor Christus) den Königsthron an sich zu reißen, was zu einem Bruch mit Haremhab führte. Er legitimierte diesen Schritt, in dem er die junge Frau des Tutanchamun heiratete. In seiner kurzen Regierungszeit versuchte Aja alle Spuren von Aton zu löschen und wurde nach seinem Tod im “Tal der Könige” beigesetzt.

Nun gelang es dem übergangenen Haremhab (1.319 – 1.292 vor Christus) zum mächtigsten Mann Ägyptens aufzusteigen. Das Militär wurde nun zu einem der wichtigsten Stützpfeiler des Staates. Seine Legitimation bezog er direkt von Amun, der ihn an der Spitze des Staates sehen wollte. Haremhab war bemüht die inneren Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen und wandte durchaus harte Strafen an. Zudem begann der damit Echnaton und seine drei Nachfolger aus allen Schriftstücken zu löschen (damnatio memoriae). Die Ägypter glaubten daran, dass wenn alle Erinnerungen an einen Menschen im Diesseits getilgt seien, ein Weiterleben im Jenseits nicht mehr möglich wäre. Als geschickter Realpolitiker setzte er getreue Leute aus dem Militär an wichtige Positionen im Staat.

Durch die nun überragende gesellschaftliche Stellung des Militärs gelang es einem Offizier Karriere zu machen. Paramses wurde um 1.360 vor Christus geboren und arbeitete sich in der Armee bis ins Umfeld des Pharaos empor. Von Haremhab wurde er nun zum Erbprinzen, Vezir und Vertreter des Pharaos ernannt.