Farbfotografie vor 1914

Auf SpiegelOnline wurden vor ein paar Wochen Farbfotografien von vor 1914 veröffentlicht. Es ist immer wieder unglaublich spannend einen so farbenfrohen Einblick in diese visuell monochrom überlieferte Epoche zu haben. Die Farben des Moulin Rouge im Sommer 1914, das Taj Mahal im Winter 1914 und fernöstlichen Reitern sind unglaublich beeindruckend. Ein visueller Kulturschatz.

Die Zeit zwischen der Erfindung der Fotografie bis zu den ersten Farbaufnahmen erscheint immer unter einem grauen Schleier. Wir sind visuell so vorgeprägt, dass wir uns diese Zeit in Farbe nur schwer vorstellen können. Woher soll auch die Information über die Farbe der Kleidung herkommen? Da ist es einfacher in schwarz-weiß zu denken.

Für alle Interessierten ist das ein interessanter Einblick in eine vergangene Zeit, die uns dann nicht mehr ganz so fern erscheint.

Statistik: Truppenstärke zu Beginn des Ersten Weltkriegs

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs war allen bewusst, dass es nun zu einem der größten Kriege kommen würde, den der Kontinent je miterleben musste. Heere mit mehreren Millionen Menschen standen sich kampfbereit gegenüber. In diesem Artikel soll ein kurzer Überblick über die Größe der Heere gegeben werden.

Deutschland und Russland stellten die größten Heere zu Beginn des Kriegs. Gefolgt von Frankreich und Österreich-Ungarn. Als man in Russland die Teilmobilmachung einleitete, war Deutschland politisch dazu gezwungen den Schliefen-Plan anlaufen zu lassen. Dieser richtete sich in seiner ersten Phase gegen Frankreich, worauf man dort die Mobilmachung anordnete.

Wenn man das Zahlenverhältnis zwischen den beiden Bündnisblöcken betrachtet, wird auch klar, warum ein reibungsloser Ablauf des Schliefen-Plans für Deutschland so wichtig war.

Die Mittelmächte waren zahlenmäßig unterlegen. Da Russland jedoch viel Zeit benötigte, um die vollständigen Truppen an der Front konzentrieren zu können, wollte die Deutsche Heeresleitung einen schnellen Angriff gegen Frankreich führen, um nach einem Sieg im Westen die Truppen im Osten konzentrieren zu können. Jedoch blieben die erwarteten Erfolge an der Westfront aus und ein zäher Krieg begann.

Websuche nach Erster Weltkrieg

Der Beginn des Ersten Weltkriegs ist dieses Jahr genau 100 Jahre her. Deshalb wird dieses historische Thema dieses Jahr dominieren. Fernsehsendungen, Dokumentationen, Zeitschriftenartikel, Bücher und vieles mehr werden zu diesem Thema veröffentlicht werden. Diese mediale Aufmerksamkeit wird sich auch im Internet verfolgen lassen. Ich möchte in dieser Rubrik ab und zu einen Blick auf die Suchanfragen zu besonders interessanten historischen Themen werfen und einfach mal schauen, was die Netzgemeinde so interessiert.

Gegen Ende 2013 kam es zu einem ersten stärkeren Anstieg an Suchanfragen zu diesem Thema. Wie sich das Thema entwickeln wird, werden wir hier beobachten.

Suchanfragen im Internet zum Ersten Weltkrieg.

Quelle: Google Trends

1914-Vergleiche – Es reicht!

Wie immer, wenn ich wichtige historische Ereignisse jähren, werden Vergleiche und Prognosen aufgestellt. Heutige Entwicklungen werden in den Kontext vergangener Ereignisse hineinprojiziert, um eine Ahnung von zukünftigen Ereignissen bekommen zu können. Es ist ein alter Menschheitstraum einen Blick in die Zukunft werfen zu können.

Das ist durchaus legitim und natürlich auch der eigentliche Zweck der Geschichtswissenschaften. Diese Vergleiche sind dann hoffentlich das Ergebnis intelligenter Überlegungen und basieren auf einem umfangreichen Wissen und harter Arbeit. Doch bei populären Großereignissen denkt jeder Halbwissende, er könne nach der Lektüre eines Standardwerks und kurzen Überlegungen in der Badewanne, bei dieser Debatte mitwirken. Das ist mitunter verstörend.

Allzu plump werden Prozesse in der Zeit hin und her geschoben. Fakten werden ohne kritische Analyse und Prüfung gerade wie es passt in die Überlegungen eingebaut. Das Jahr 2014 ist erst drei Tage alt, dennoch habe ich jetzt schon genug von diesen unprofessionellen 1914-Vergleichen in der Presse. In den nächsten Jahren werden sehr viele wichtige Daten der Zeitgeschichte Jubiläum haben. Wir werden dem wohl so schnell nicht entkommen.

Die Schlafwandler

Man hat es schon oft gelesen. Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Hier begannen Entwicklungen die das gesamte Jahrhundert tief gezeichnet haben. Soweit so gut. Aber auch der Erste Weltkrieg kam nicht aus dem Nichts und war nicht nur das Ergebnis eines gesteigerten Militarismus und verantwortungsloser Staatsoberhäupter. Er war die Folge vieler politischer Verwicklungen, verschiedener Akteure, einen Mangel an Informationen und sehr komplexen Prozessen.

Am Anfang stand das diplomatische Chaos auf dem Balkan. In dieser Region kam es durch das immer schwächer werdende Osmanische Reich zu Verschiebungen im Machtgefüge und damit einhergehend erwachten bei einigen Akteuren neue Interessen. Neben den Großmächten Russland und Österreich-Ungarn versuchten auch andere Staaten ihre Position zu konsolidieren bzw. ihren Einfluss zu erweitern. Vor allem Serbien und Österreich-Ungarn gerieten diplomatisch häufig aneinander. Der Vielvölkerstaat der Habsburger versuchte seine Hegemonie auszubauen und in Serbien träumten viele von einem panslawischen Staatengebilde. Diese Gegensätze führten letztendlich zu einer Situation in der die anderen Großmächte aktiviert wurden.

Russland stand an der Seite Serbiens und gab Garantien ab, dem Land militärisch beizustehen, sollte es zu einer Eskalation mit Österreich-Ungarn kommen. Diese Garantien waren nie in Stein gemeißelt, aber sie waren zum Zeitpunkt der Eskalation ein entscheidender Faktor. Das Deutsche Kaiserreich war zu diesem Zeitpunkt Partner Österreichs und sonst politisch zum großen Teil isoliert. Es gab zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs zwar Tendenzen, dass sich diese Isolation zunehmend auflösen würde, aber soweit war die Zeit noch nicht. Die Teilmobilmachung Russlands gegen Österreich führte zu einer Kettenreaktion an deren Ende sich die europäischen Heere in Waffen gegenüberstanden. Frankreich wusste um die Pläne der Deutschen und traf ebenfalls Kriegsvorbereitungen. Spätestens als die Deutschen aus Sorge um die Mobilmachung in Russland die ersten Aktionen des Schlieffen-Plans auslösten, war ein bewaffneter Konflikt nur noch sehr schwer vermeidbar.

Die Frage der Schuld an der Urkatastrophe kann nicht eindeutig beantwortet werden, weil der Krieg keine Entscheidung eines einzelnen oder einer Gruppe war. Die gesamte europäische politische Elite war hierin verwickelt und handelte größtenteils ohne Absicht diesen gewaltigen Konflikt auszulösen. Der Erste Weltkrieg war den Umständen geschuldet.

Im Buch “Die Schlafwandler” von Christopher Clark wurden diese verworrenen Zusammenhänge herausgearbeitet. Historisch und literarisch ein sehr kurzweiliges und interessantes Buch. Der Blick auf das 20. Jahrhundert wird durch dieses Buch ein gutes Stück klarer.

Hühner und die Atombombe

Es gibt immer wieder unglaublich kuriose Geschichten. Eine dieser Geschichten ist die des Projekts “Blue Peacock”. Im Kalten Krieg hatten die Alliierten immer die Befürchtung, dass die konventionell überlegene sowjetische Armee einen Angriff auf die Truppen starten könnte, die zu dieser Zeit auf dem europäischen Festland stationiert waren. Genau aus diesem Grund wurden strategische Waffen entwickelt, die in einem solchen Szenario einen weiteren Vormarsch der feindlichen Truppen be- oder verhindert hätten.

In England wurde in diesem Kontext eine der kuriosesten Waffen entwickelt, die es jemals gegeben hat. Um ein vordringen der Sowjets zu verzögern wurde ein Gürtel von Atombomben-Mienen in Deutschland gelegt. Die sich zurückziehende britische Armee hätte die Zünder aktivieren können und wenige Stunden oder Tage später wäre die Atombombe – mittlerweile in Feindesland – explodiert.

Jedoch offenbarte sich ein schwerwiegendes Problem. In kalten Wintern konnte der Zünder gefrieren und damit machte er diese Waffe unbrauchbar. Kreative englische Wissenschaftler kamen dann auf die Idee in der Atombombe beim Zünder Hühner leben zu lassen. Mit Futter und Wasser versorgt, hätten die Hühner mehrere Tage überlebt und mit ihrer Körpertemperatur den Zünder vor dem Einfrieren bewahrt.

Zum Artikel: Englands gackernde Atombombe

 

KZ-Aufstand in Sobibor

Am 14. Oktober 1943 kam es zu einem Aufstand der Insassen des Vernichtungslagers Sobibor. Es war der größte Aufstand gegen den Nationalsozialismus, der je in einem Konzentrationslager stattgefunden hat. Ein neues Buch, dass am Ende des Artikels erwähnt wird, macht auf dieses fast vergessene Kapitel des jüdischen Widerstands im Dritten Reich aufmerksam.

Für die SS kam dieser Aufstand unerwartet. Sie hatten nicht damit gerechnet, dass sich eine Gruppe von “Untermenschen” gegen ihr System auflehnen würde. Bei diesem Aufstand starben etliche KZ-Wächter und viele Häftlinge konnten fliehen. Die Verschwörer nutzten eine Schwäche ihrer Wächter. Sie machten sie auf scheinbare wertvolle Gegenstände aufmerksam, die es unter den Häftlingen geben sollte. Als die Habgier die SS-Wächter in die Falle trieb, wurden diese getötet. Anschließend wollten die Verschwörer andere Häftlinge zur Flucht ermuntern und damit eine Massenbewegung auslösen. So kam es denn auch. Viele konnten unter Maschinengewehrsalven fliehen. Circa 360 der über 500 Flüchtlinge schafften es aus dem Lager. 200 kamen zum Wald. 53 überlebten die nächsten Monate.

Die im Lager verbliebenen Juden wurden vollständig liquidiert. Sobibor wurde vollständig abgerissen. Über 400 Einsatzkräfte wurden eingesetzt, um die Flüchtlinge zu fassen.

KZ-Aufstand von Sobibor “Wir wollten wie Menschen sterben”

Friedrich der Große und der Konflikt mit seinem Vater

Friedrich der Große ist einer der bekanntesten Protagonisten der deutschen Geschichte. Sein ambivalenter Charakter zwischen Künstler und Realpolitiker faszinierte viele Menschen. Die wohl prägendste Zeit Friedrichs fand zwischen 1728 und 1733 statt, als der Konflikt mit seinem Vater eskalierte.

In den ersten Jahren seines Lebens wurde Friedrich von Madame Rocoulle erzogen, die bereits seinen Vater großzog. Mit sechs Jahren übernahm dann der Vater König Friedrich Wilhelm I. die Planung der Erziehung des ältesten Sohns. Der Tagesplan des jungen Monarchen wurde vom Vater auf die Minute genau festgelegt. 1716 wurde die Erziehung Friedrichs von Jacques Égide Duhan de Jandun übernommen. Er und sein Schüler entwickelten ein besonders enges und vertrautes Verhältnis. Der Lehrplan wurde um künstlerische sowie geisteswissenschaftliche Fächer erweitert, so dass Friedrich neben der strengen militärisch-ökonomischen Ausbildung neue Eindrücke gewinnen konnte.

Im Jahr 1728 begann Friedrich Flötenunterricht bei Johann Joachim Quantz zu nehmen. Die Konflikte mit dem Vater begannen sich in dieser Phase weiter zuzuspitzen. Es kam zu einem heftigen Generationenkonflikt. Friedrich provozierte seinen Vater, der daraufhin mit massiver Brutalität antwortete. In dieser Zeit intensivierte sich die Freundschaft zwischen Friedrich und Hans Hermann von Katte. Katte war ein gebildeter und weltgewandter Mann, der einen großen Eindruck auf Friedrich machte. Friedrich erzählte seinem Freund von seinem Plan nach Frankreich zu fliehen, um dem Vater zu entkommen.

Die Flucht folg auf und Katten wurde als Mitwisser vor den Augen Friedrichs hingerichtet. Ursprünglich wollte der Vater auch seinen Sohn hinrichten lassen, doch setzen sich Leopold von Anhalt-Dessau, Prinz Eugen und Kaiser Karl VI. für ihn ein. In der Folge verlor er den Prinzenstatus und begann in der Armee zu dienen. Rehabilitiert wurde er erst, als er der Ehe mit der ungeliebten Elisabeth Christine von Braunschweig-Beven zustimmte.

Die Zerrissenheit in diesen Jahren hat Friedrich das gesamte Leben geprägt. Für Interpretationen Friedrichs handeln in der politischen Geschichte sind Kenntnisse dieser Zeitepoche wichtig und sollten nicht in den Hintergrund gedrängt werden.